Ein Carport mit PV-Dach ist die naheliegendste Kombination der Energiewende: Das Auto steht trocken, und über ihm entsteht der Strom, mit dem es fährt. In der Praxis ist die Sache etwas nüchterner. Ein PV-Carport ist zuerst einmal ein Bauwerk mit Fundament, Statik und meist einem Genehmigungsverfahren. Die Photovoltaik darauf ist der günstigere Teil.
Die kurze Antwort
Die Konstruktion eines Carports kostet je nach Größe, Material und Fundament grob 5.000 bis 15.000 Euro, die Photovoltaikanlage darauf kommt zusätzlich obendrauf. Für einen Doppelcarport mit rund 5 bis 8 Kilowattpeak landen Sie insgesamt häufig bei 12.000 bis 25.000 Euro. Ob eine Baugenehmigung nötig ist, regelt die Landesbauordnung Ihres Bundeslandes, entscheidend sind meist überbaute Fläche, Höhe und Grenzabstand. Wirtschaftlich wird ein PV-Carport vor allem dann, wenn Sie ohnehin einen Carport bauen wollen und den Strom über eine Wallbox selbst verfahren. Als reine Stromerzeugungsanlage ist ein freies Dach fast immer günstiger.
Was ein PV-Carport kostet
Rechnen Sie in zwei Blöcken, dann wird die Kalkulation ehrlich:
Block 1, die Konstruktion:
- Einzelcarport in Holz oder Stahl: grob 5.000 bis 9.000 Euro inklusive Fundament und Aufbau.
- Doppelcarport: grob 8.000 bis 15.000 Euro, bei Sonderwünschen wie Gründach, Verkleidung oder Abstellraum mehr.
- Fundament und Erdarbeiten sind ein häufig unterschätzter Posten, besonders bei schwierigem Untergrund.
Block 2, die Photovoltaik:
- 5 bis 8 Kilowattpeak auf dem Carportdach: grob 5.000 bis 10.000 Euro, abhängig davon, ob es sich um eine eigene Anlage mit eigenem Wechselrichter handelt oder um eine Erweiterung der Dachanlage.
- Leitungsweg zum Haus: je nach Grabenlänge einige hundert bis über 2.000 Euro.
- Wallbox inklusive Installation: meist 1.200 bis 2.500 Euro.
Zur Einordnung: Ein Kilowattpeak auf dem Hausdach kostet meist deutlich weniger als ein Kilowattpeak auf einem neu errichteten Carport, weil die tragende Konstruktion beim Haus bereits vorhanden ist. Aktuelle Preisspannen für Dachanlagen finden Sie unter Photovoltaikanlage-Kosten.
Genehmigung: das hängt vom Bundesland ab
Carports sind Bauwerke, und die Regeln unterscheiden sich je nach Landesbauordnung erheblich. Typische Kriterien für die Verfahrensfreiheit:
- Überdachte Fläche, häufig Grenzwerte im Bereich von etwa 30 bis 50 Quadratmetern.
- Mittlere Wandhöhe, oft rund 3 Meter.
- Grenzbebauung, meist Längenbegrenzungen entlang der Nachbargrenze.
- Örtliche Vorgaben, etwa Bebauungsplan, Gestaltungssatzung, Abstandsflächen oder Stellplatzsatzung.
Auch wenn der Carport verfahrensfrei ist, müssen die materiellen Bauvorschriften eingehalten werden. Fragen Sie deshalb vor der Beauftragung beim Bauamt Ihrer Gemeinde nach, am besten schriftlich. Für die PV-Anlage selbst kommt unabhängig davon die Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister dazu.
Die Kombination mit Wallbox: hier entsteht der Nutzen
Der eigentliche wirtschaftliche Hebel liegt im Eigenverbrauch. PV-Strom vom eigenen Dach kostet über die Laufzeit gerechnet rund 10 Cent pro Kilowattstunde, Netzstrom liegt für Bestandskunden im Schnitt bei etwa 31 Cent, an öffentlichen Ladesäulen zahlen Sie oft 50 Cent und mehr. Wer 12.000 Kilometer im Jahr fährt und dafür grob 2.200 Kilowattstunden braucht, spart bei überwiegend eigenem PV-Strom mehrere hundert Euro pro Jahr gegenüber Netzstrom und deutlich mehr gegenüber öffentlichem Laden.
Damit das funktioniert, braucht es Überschussladen, also eine Wallbox, die nur den gerade verfügbaren PV-Überschuss ins Auto schiebt. Wie das im Detail läuft und welcher PV-Anteil übers Jahr realistisch ist, steht im Beitrag E-Auto mit PV-Strom laden. Kombipakete aus Anlage und Ladepunkt finden Sie unter Photovoltaik mit Wallbox.
Technische Besonderheiten am Carport
- Flache Neigung: Carportdächer sind oft nur leicht geneigt. Das kostet etwas Ertrag und begünstigt Verschmutzung, dafür verteilt sich der Ertrag gleichmäßiger über den Tag.
- Bifaziale Module können hier interessant sein, weil die Rückseite frei liegt und Licht vom hellen Pflaster reflektiert wird. Realistisch sind je nach Untergrund einige Prozent Mehrertrag, siehe Bifaziale Module.
- Glas-Glas-Module sind auf freistehenden Konstruktionen wegen der höheren Belastbarkeit verbreitet, mehr dazu unter Glas-Glas-Module.
- Verschattung durch Bäume ist an Carport-Standorten häufiger als auf dem Hausdach. Das gehört in die Planung, nicht in die Nachbetrachtung.
- Entwässerung und Blendwirkung sollten mit Blick auf Nachbargrundstücke geplant werden.
Wann sich ein PV-Carport rechnet
Eher ja, wenn: Sie ohnehin einen Carport bauen, ein E-Auto fahren oder demnächst anschaffen, das Hausdach klein oder ungünstig ausgerichtet ist und Sie den erzeugten Strom weitgehend selbst verbrauchen.
Eher nein, wenn: Ihr Hausdach noch freie, gut ausgerichtete Fläche bietet. Dann bauen Sie die zusätzliche Leistung dort für einen Bruchteil des Preises. Der Carport bleibt in diesem Fall eine Komfort- und Optikentscheidung, keine Renditeentscheidung.
Wie Sie die Angebote sauber vergleichen, zeigt die Checkliste Photovoltaik-Angebot prüfen. Achten Sie besonders darauf, dass Konstruktion, Fundament, Leitungsweg und Wallbox getrennt ausgewiesen sind.
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