Ein E-Auto mit selbst erzeugtem Strom zu laden, ist die wohl greifbarste Form der Ersparnis, die eine Photovoltaikanlage bietet. Der Unterschied zwischen dem eigenen Dachstrom und einer öffentlichen Schnellladesäule ist keine Nachkommastelle, sondern ein Faktor von fünf. Trotzdem gilt: Ganz ohne Netzstrom kommt kaum jemand aus. Hier die realistische Rechnung mit den Zahlen, die man kennen sollte, bevor man die Anlage plant.
Die kurze Antwort
Selbst erzeugter PV-Strom kostet über die Anlagenlaufzeit gerechnet rund 10 Cent pro Kilowattstunde. Netzstrom liegt für Bestandskunden im Schnitt bei etwa 31 Cent, an öffentlichen Ladesäulen zahlen Sie häufig 50 Cent und mehr. Bei 12.000 Kilometern Jahresfahrleistung und rund 2.200 Kilowattstunden Ladebedarf sparen Sie mit PV-Strom gegenüber Netzstrom grob 450 Euro pro Jahr und gegenüber öffentlichem Laden über 850 Euro. Realistisch decken Sie übers Jahr etwa 40 bis 70 Prozent des Ladebedarfs mit eigenem PV-Strom, mit Speicher eher am oberen Ende. Voraussetzung ist eine Wallbox mit Überschussladen und ein passender Energiezähler.
Die Ersparnis-Rechnung im Detail
Ein typisches E-Auto verbraucht rund 18 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, mit Ladeverlusten etwa 20. Bei 12.000 Kilometern sind das grob 2.200 bis 2.400 Kilowattstunden im Jahr.
| Stromquelle | Preis pro kWh | Kosten für 2.200 kWh |
|---|---|---|
| Eigener PV-Strom | ca. 10 Cent | ca. 220 Euro |
| Netzstrom Bestandskunden | ca. 31 Cent | ca. 682 Euro |
| Öffentliche Ladesäule | ab ca. 50 Cent | ca. 1.100 Euro |
Die 10 Cent für den eigenen Strom sind die Stromgestehungskosten: Anschaffungspreis der Anlage verteilt auf die über 25 bis 30 Jahre erzeugte Strommenge, inklusive Wartung und dem Wechselrichtertausch nach 10 bis 15 Jahren für 1.500 bis 3.000 Euro. Wer diese Posten unterschlägt, rechnet zu optimistisch. Eine vollständige Kostenübersicht finden Sie unter Photovoltaikanlage-Kosten.
Wichtig für die Einordnung: Jede selbst verfahrene Kilowattstunde ist deutlich mehr wert als eine eingespeiste. Die Einspeisevergütung liegt bei Teileinspeisung aktuell bei 7,70 Cent pro Kilowattstunde. PV-Strom ins Auto zu laden statt ihn einzuspeisen, ist deshalb der stärkste Hebel, den ein Haushalt hat.
Überschussladen: so funktioniert es
Überschussladen bedeutet, dass die Wallbox genau die Leistung ins Auto schiebt, die gerade nicht im Haus gebraucht wird und sonst ins Netz ginge. Dafür braucht es drei Bausteine:
- Einen Zähler am Netzanschlusspunkt, der Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit misst.
- Eine steuerbare Wallbox, die ihre Ladeleistung dynamisch anpasst, üblicherweise zwischen etwa 1,4 und 11 Kilowatt.
- Ein Energiemanagement, das beides verbindet und Prioritäten setzt, etwa Haushalt vor Auto vor Speicher.
Praktisch heißt das: Zieht eine Wolke auf, drosselt die Wallbox statt Netzstrom zuzukaufen. Die meisten Systeme bieten Modi wie reines Überschussladen, Mindestladeleistung mit PV-Anteil oder Sofortladen mit voller Leistung. Passende Kombipakete aus Anlage und Ladepunkt finden Sie auf unserer Seite Photovoltaik mit Wallbox.
Ein Hinweis zur Technik: Einphasiges Laden startet bereits ab etwa 1,4 Kilowatt Überschuss und passt damit gut zu kleineren Anlagen. Dreiphasiges Laden braucht mindestens rund 4,2 Kilowatt Überschuss, lädt dafür deutlich schneller. Welche Variante zu Ihnen passt, hängt von Anlagengröße und Fahrzeug ab und gehört ins Planungsgespräch.
Voraussetzungen für sinnvolles PV-Laden
- Anlagengröße: Für nennenswerte PV-Anteile sollten es mindestens 8 bis 10 Kilowattpeak sein. Ein E-Auto rechtfertigt oft, das Dach voll zu belegen.
- Wallbox mit Steuerbarkeit: Eine einfache Wallbox ohne Kommunikation kann nicht überschussgeführt laden.
- Ladezeitfenster: Wer das Auto tagsüber vor der Tür stehen hat, etwa bei Homeoffice oder Teilzeit, erreicht deutlich höhere PV-Anteile als jemand, der es nur nachts lädt.
- Speicher: Er verschiebt PV-Strom in die Abendstunden und hebt den PV-Anteil beim Laden spürbar. Details unter Photovoltaik mit Speicher.
- Netzbetreiber-Regeln: Wallboxen ab 4,2 Kilowatt gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach Paragraf 14a EnWG. Das bringt reduzierte Netzentgelte von grob 110 bis 190 Euro pro Jahr, im Gegenzug darf der Netzbetreiber in Ausnahmesituationen die Leistung begrenzen. Im Alltag ist das für Privathaushalte kaum spürbar.
Wie hoch der PV-Anteil übers Jahr wirklich ist
Hier trennt sich Werbung von Praxis. Im Sommerhalbjahr sind PV-Anteile von 80 bis 100 Prozent gut erreichbar, an einem sonnigen Junitag lädt das Auto praktisch kostenlos. Im November bis Februar sinkt der Anteil dagegen häufig auf 10 bis 30 Prozent, weil die Anlage schlicht wenig produziert und die Erzeugung meist in die Arbeitszeit fällt.
Übers Jahr gemittelt landen die meisten Haushalte bei 40 bis 60 Prozent PV-Anteil ohne Speicher und 60 bis 75 Prozent mit Speicher und flexiblen Ladezeiten. Wer mit 100 Prozent PV-Laden wirbt, verkauft ein Sommergefühl, keine Jahresbilanz. Die verbleibenden Kilowattstunden kommen aus dem Netz, idealerweise über einen günstigen oder dynamischen Tarif in den Nachtstunden.
Was das für Ihre Planung heißt
Planen Sie die Anlage von vornherein mit dem Auto zusammen: größere Modulfläche, hybridfähiger Wechselrichter und eine Wallbox, die zum Energiemanagement passt. Nachträglich lässt sich vieles ergänzen, es wird aber teurer. Achten Sie im Angebot darauf, dass Wallbox, Zähler, Leitungsweg und Anmeldung beim Netzbetreiber einzeln ausgewiesen sind. Wie Sie Angebote systematisch prüfen, zeigt die Checkliste Photovoltaik-Angebot prüfen, die typischen Zusatzposten stehen im Beitrag Photovoltaik-Nebenkosten.
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