PV-Angebot prüfen: Was muss drinstehen?

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Das Angebot liegt auf dem Tisch, drei Seiten, eine Endsumme, viele Fachbegriffe. Ob es fair und vollständig ist, entscheidet sich an Details, die Laien leicht übersehen: fehlende Posten, vage Komponentenangaben, Brutto-Kilowattstunden beim Speicher. Mit dieser Checkliste nach dem Vorbild der Verbraucherzentralen prüfen Sie Ihr PV-Angebot in 10 Minuten selbst.

Die kurze Antwort

Ein seriöses PV-Angebot nennt jede Komponente mit Hersteller, Modell und Leistung: Module in Wattpeak, Wechselrichter mit Typ, Speicher in NUTZBAREN Kilowattstunden. Es enthält außerdem alle Nebenleistungen: Gerüst, Kleinmaterial, gegebenenfalls Zählerschrank-Anpassung, Netzanmeldung, Inbetriebnahme und Dokumentation. Fehlt einer dieser Posten oder steht dort nur "Markenware", ist das Angebot nicht bewertbar. Als Preismaßstab gilt: Einfamilienhaus-Anlagen kosten 2026 schlüsselfertig 1.200 bis 1.900 Euro pro kWp ohne Speicher.

Schritt 1: Sind alle Komponenten konkret benannt?

Prüfen Sie, ob für jede Komponente Hersteller und genaues Modell dastehen:

  • PV-Module: Hersteller, Modellbezeichnung, Leistung pro Modul in Wattpeak (aktuell üblich sind 430 bis 480 Wp), Anzahl und Gesamtleistung in kWp. Auch die Garantiedauer (Produkt- und Leistungsgarantie) gehört dazu.
  • Wechselrichter: Hersteller, Modell, Leistung. Bei geplantem Speicher: Ist es ein Hybrid-Wechselrichter?
  • Speicher: Hersteller, Modell und vor allem die nutzbare Kapazität in kWh. Manche Angebote werben mit der Brutto-Kapazität, nutzbar sind aber oft 10 bis 20 Prozent weniger.
  • Unterkonstruktion und Kleinmaterial: Montagesystem, Kabel, Überspannungsschutz.

Formulierungen wie "Premiummodule deutscher Qualität" ohne Modellangabe sind ein Warnsignal: Sie können weder Preis noch Qualität vergleichen, und der Betrieb kann später anderes Material verbauen.

Schritt 2: Sind alle Leistungen und Nebenkosten enthalten?

Hier entstehen die klassischen Nachträge. Haken Sie diese Liste ab:

  • Gerüst (je nach Haus mehrere Hundert Euro)
  • DC- und AC-Installation inklusive Elektrikerleistungen
  • Zählerschrank: Muss er erneuert oder angepasst werden? Das kostet 1.000 bis 2.500 Euro und fehlt in vielen Angeboten. Ein Betrieb, der den Zählerschrank nie gesehen hat, kann das nicht seriös kalkulieren.
  • Netzanmeldung beim Netzbetreiber und Eintrag ins Marktstammdatenregister (beziehungsweise Unterstützung dabei)
  • Inbetriebnahme mit Protokoll und Einweisung
  • Ertragsüberwachung (Monitoring per App) und vollständige Dokumentation
  • Anfahrt, Entsorgung, eventuell Erdungsarbeiten

Steht unter dem Angebot "zzgl. eventuell erforderlicher Zusatzarbeiten" ohne Eingrenzung, fragen Sie schriftlich nach, was konkret gemeint ist und was es maximal kosten kann.

Schritt 3: Stimmt der Preis pro kWp?

Teilen Sie den Gesamtpreis (ohne Speicheranteil) durch die Anlagenleistung. Liegt das Ergebnis deutlich über 1.900 Euro pro kWp, muss der Anbieter das begründen können; der Marktdurchschnitt liegt laut Fraunhofer ISE bei etwa 1.015 Euro pro kWp. Wie Sie überhöhte Preise und Druckverkauf-Maschen im Detail erkennen, lesen Sie im Ratgeber überteuerte Photovoltaikanlage erkennen. Zur Kontrolle: Die Mehrwertsteuer muss bei Anlagen bis 30 kWp mit 0 Prozent ausgewiesen sein.

Schritt 4: Wie sind die Zahlungsbedingungen?

Nach den Anbieter-Insolvenzen der Jahre 2023 bis 2026 ist das der wichtigste Sicherheitscheck. Seriös ist ein Zahlungsplan nach Baufortschritt: keine oder eine kleine Anzahlung, Abschläge erst nach erbrachter Leistung, und ein spürbarer Rest (10 bis 20 Prozent) erst nach vollständiger Inbetriebnahme. Verlangt ein Anbieter 50 Prozent oder mehr Vorkasse, tragen im Insolvenzfall Sie den Schaden. Prüfen Sie außerdem, ob Garantien vom Hersteller kommen (bleiben bei Insolvenz des Installateurs bestehen) oder nur vom Händler.

Schritt 5: Basiert das Angebot auf einer echten Prüfung?

Ein belastbares Angebot setzt voraus, dass der Betrieb Ihr Dach vermessen oder besichtigt, die Verschattung analysiert, einen Blick auf Dachhaut und Zählerschrank geworfen und Ihren Stromverbrauch (idealerweise mehrerer Jahre) erfragt hat. Auch Zukunftspläne wie E-Auto oder Wärmepumpe gehören in die Auslegung. Ein Festpreis rein nach Satellitenbild ist dagegen eine Wette, bei der Sie das Risiko tragen. Worauf Sie bei der Betriebswahl insgesamt achten sollten, zeigt unsere Seite geprüfte PV-Fachbetriebe.

Die Checkliste zum Abhaken

  1. Alle Komponenten mit Hersteller, Modell, Wp beziehungsweise nutzbaren kWh?
  2. Gerüst, Elektrik, Zählerschrank, Netzanmeldung, Inbetriebnahme enthalten?
  3. Preis pro kWp innerhalb von 1.200 bis 1.900 Euro (oder Aufschlag begründet)?
  4. 0 Prozent Mehrwertsteuer ausgewiesen (bis 30 kWp)?
  5. Zahlung nach Baufortschritt, Rest nach Inbetriebnahme?
  6. Herstellergarantien dokumentiert (Produkt-, Leistungsgarantie, Gewährleistung)?
  7. Vor-Ort-Termin oder gleichwertige Prüfung erfolgt?
  8. Angebot mehrere Wochen gültig, kein "nur heute"-Druck?

Erst wenn alle acht Punkte erfüllt sind, ist ein Angebot wirklich vergleichbar und unterschriftsreif. Ein einzelnes Angebot bleibt trotzdem schwer einzuordnen: Erst der Vergleich mit zwei weiteren zeigt, wo Ihr Anbieter preislich steht.


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