Wenn Sie nur eine einzige Kennzahl über Photovoltaik im Kopf behalten wollen, dann diese: den spezifischen Ertrag, also die Kilowattstunden, die ein Kilowatt Peak installierte Leistung im Jahr liefert. Mit ihr überschlagen Sie in zehn Sekunden, was Ihre geplante Anlage produziert, und erkennen sofort, wenn ein Angebot mit geschönten Zahlen arbeitet. Hier sind die realistischen Werte, ihre Streuung und die Gründe dahinter.
Die kurze Antwort
Eine Photovoltaikanlage in Deutschland liefert 900 bis 1.200 kWh je kWp und Jahr. Der Norden liegt eher bei 900 bis 1.000 kWh, die Mitte bei rund 1.000 bis 1.050 kWh, Süddeutschland bei 1.100 bis 1.200 kWh. Für eine erste Überschlagsrechnung ist 1.000 kWh je kWp die sichere Hausnummer: Eine 10-kWp-Anlage produziert dann rund 10.000 kWh im Jahr. Diese Werte gelten für gut ausgerichtete, unverschattete Dächer, Abschläge für Ausrichtung und Schatten kommen darauf an.
Warum der Ertrag regional so unterschiedlich ist
Der Unterschied zwischen Flensburg und Freiburg beträgt gut 25 Prozent, und er hat einen simplen Grund: die Sonneneinstrahlung. Süddeutschland bekommt schlicht mehr Globalstrahlung ab als die Küstenregionen. Eine grobe Einordnung:
| Region | Spezifischer Ertrag (kWh je kWp und Jahr) | 10-kWp-Anlage liefert ca. |
|---|---|---|
| Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Niedersachsen | 900 bis 1.000 | 9.000 bis 10.000 kWh |
| NRW, Hessen, Sachsen, Thüringen | 950 bis 1.050 | 9.500 bis 10.500 kWh |
| Rheinland-Pfalz, Saarland, Brandenburg | 1.000 bis 1.100 | 10.000 bis 11.000 kWh |
| Baden-Württemberg, Bayern | 1.100 bis 1.200 | 11.000 bis 12.000 kWh |
Wichtig zur Einordnung: 25 Prozent Unterschied klingen viel, entscheiden aber selten über die Wirtschaftlichkeit. Eine Anlage in Hamburg rechnet sich auch, sie braucht nur ein bis zwei Jahre länger bis zur Amortisation. Die Rechnung dazu finden Sie im Beitrag Lohnt sich Photovoltaik?.
Was den Ertrag sonst noch beeinflusst
Neben der Region wirken vor allem diese Faktoren:
- Ausrichtung: Ein Ost-West-Dach liefert etwa 80 bis 85 Prozent eines Süddachs, ein Norddach 60 bis 70 Prozent. Mehr dazu im Beitrag Photovoltaik auf dem Ost-West-Dach.
- Neigungswinkel: Das Optimum liegt bei 30 bis 35 Grad, Abweichungen zwischen 20 und 45 Grad kosten nur wenige Prozent. Details im Beitrag Neigungswinkel Photovoltaik.
- Verschattung: Der einzige Faktor, der zweistellige Verluste verursachen kann. Siehe Photovoltaik und Verschattung.
- Systemverluste: Wechselrichter, Kabel, Temperatur und Verschmutzung kosten zusammen typischerweise 10 bis 15 Prozent. In den genannten 900 bis 1.200 kWh sind sie bereits eingerechnet.
- Degradation: Module verlieren jährlich 0,3 bis 1 Prozent Leistung. Nach 20 Jahren liegen Sie also bei rund 85 bis 90 Prozent des Anfangsertrags. Hersteller garantieren üblicherweise 80 bis 87 Prozent nach 25 Jahren.
- Temperatur: Klingt paradox, aber Module arbeiten bei Kälte effizienter. Ein kühler, sonniger Apriltag liefert relativ mehr als ein schwüler Hochsommertag.
Die Monatsverteilung: Sommer trägt, Winter trägt kaum
Der Jahresertrag verteilt sich sehr ungleich. So sieht ein typisches Jahr für eine 10-kWp-Anlage bei rund 10.000 kWh Jahresertrag aus:
| Monat | Anteil am Jahresertrag | Ertrag 10-kWp-Anlage (ca.) |
|---|---|---|
| Dezember, Januar | je 1 bis 2 % | je 100 bis 200 kWh |
| Februar, November | je 3 bis 4 % | je 300 bis 400 kWh |
| März, Oktober | je 7 bis 8 % | je 700 bis 800 kWh |
| April, September | je 11 bis 12 % | je 1.100 bis 1.200 kWh |
| Mai bis August | je 13 bis 14 % | je 1.300 bis 1.400 kWh |
Von Mai bis August fallen rund die Hälfte des Jahresertrags an, im gesamten Winterhalbjahr von November bis Februar nur etwa 10 Prozent. Wer die Anlage im Januar in Betrieb nimmt und nach vier Wochen enttäuscht auf das Monitoring schaut, hat also keine defekte Anlage, sondern Winter.
Diese Verteilung erklärt auch, warum vollständige Autarkie mit Batteriespeicher in üblicher Größe nicht funktioniert: Der Speicher überbrückt die Nacht, nicht die Jahreszeit. Realistisch sind mit Speicher Autarkiegrade von 60 bis 80 Prozent, siehe Seite Photovoltaik mit Speicher.
Realistische Erwartungen und Warnsignale im Angebot
Prüfen Sie die Ertragsprognose in jedem Angebot mit dieser einfachen Kontrollrechnung: Anlagengröße in kWp mal spezifischer Ertrag Ihrer Region. Kommt der Anbieter auf deutlich mehr, fragen Sie nach der Herleitung. Konkrete Warnsignale:
- Ertragsprognosen über 1.200 kWh je kWp außerhalb Süddeutschlands
- Prognosen, die die Verschattung Ihres Dachs nicht abbilden
- Ersparnisrechnungen, die 100 Prozent Eigenverbrauch unterstellen (realistisch sind ohne Speicher 25 bis 35 Prozent)
- Fehlende Angabe, ob es sich um Gleichstrom- oder Wechselstromertrag handelt
Zu optimistische Ertragsprognosen sind ein klassisches Vertriebsinstrument, weil sie die Amortisationszeit rechnerisch verkürzen. Wie Sie ein Angebot insgesamt bewerten, lesen Sie im Beitrag Photovoltaik: Preis pro kWp, und wie Sie den Ertrag selbst nachrechnen, zeigt der Beitrag PV-Ertrag berechnen.
Was liefert Ihr Dach? Lassen Sie es durchrechnen
Über unseren kostenlosen Angebotsvergleich melden sich maximal 3 geprüfte Fachbetriebe direkt bei Ihnen und erstellen eine Ertragsprognose für Ihr konkretes Dach, kostenlos und unverbindlich.