Lohnt sich Photovoltaik 2026 noch? Die ehrliche Rechnung

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Sinkende Einspeisevergütung, Solarspitzengesetz, Debatten um die EEG-Reform: Viele Hausbesitzer fragen sich, ob sich Photovoltaik 2026 überhaupt noch lohnt. Die kurze Wahrheit: Ja, in den meisten Fällen rechnet sich eine Anlage weiterhin solide. Aber eben nicht in allen. Hier ist die Rechnung ohne Verkäufer-Optimismus, inklusive der Fälle, in denen Sie besser nicht kaufen.

Die kurze Antwort

Eine typische Einfamilienhaus-Anlage amortisiert sich 2026 in 8 bis 13 Jahren, bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 und mehr Jahren. Der Grund: Die Anlagenpreise sind stark gefallen (Marktdurchschnitt etwa 1.015 Euro pro kWp laut Fraunhofer ISE), während Bestandskunden im Schnitt rund 31 Cent pro Kilowattstunde Strom zahlen. Das Geld verdienen Sie vor allem über den Eigenverbrauch, nicht über die Einspeisevergütung von 7,70 Cent. Nicht lohnend ist Photovoltaik bei stark verschatteten Dächern, sanierungsbedürftigen Dächern und sehr geringem Stromverbrauch.

Das Rechenbeispiel: 10 kWp auf dem Einfamilienhaus

Nehmen wir eine realistische 10-kWp-Anlage ohne Speicher für 12.000 Euro (schlüsselfertig, 0 Prozent Mehrwertsteuer). Sie erzeugt in Deutschland grob 9.500 Kilowattstunden pro Jahr.

  • Eigenverbrauch: Ohne Speicher nutzen Sie typisch rund 30 Prozent selbst, also 2.850 kWh. Bei 31 Cent pro kWh sparen Sie etwa 880 Euro Stromkosten pro Jahr.
  • Einspeisung: Die übrigen 6.650 kWh speisen Sie ein. Mit 7,70 Cent (Teileinspeisung bis 10 kWp, Stand seit 1.8.2026, für 20 Jahre garantiert) sind das rund 510 Euro pro Jahr.
  • Laufende Kosten: Versicherung und Rücklagen für Wartung kosten realistisch 200 bis 300 Euro pro Jahr.

Unterm Strich bleiben also etwa 1.100 bis 1.200 Euro pro Jahr. Die Anlage hat sich damit nach rund 10 bis 11 Jahren bezahlt und liefert danach noch 15 bis 20 Jahre weitgehend kostenlosen Strom. Was Anlagen in anderen Größen kosten, zeigt der Überblick unter Photovoltaikanlage-Kosten.

Ehrlichkeit bei den laufenden Kosten

Viele Renditerechnungen im Netz unterschlagen zwei Posten. Erstens: Der Wechselrichter hält meist 10 bis 15 Jahre und kostet beim Tausch 1.500 bis 3.000 Euro. Zweitens: Module verlieren durch Degradation etwa 0,3 bis 1 Prozent Leistung pro Jahr. Beides verschiebt die Amortisation um ein bis zwei Jahre nach hinten, macht die Rechnung aber nicht kaputt: Die Eigenkapitalrendite liegt typisch bei 5 bis 8 Prozent pro Jahr, deutlich mehr als auf dem Tagesgeldkonto.

Was das Solarspitzengesetz wirklich ändert

Seit Februar 2025 gilt: Neuanlagen bekommen keine Einspeisevergütung mehr für Stunden mit negativen Börsenstrompreisen, und ohne intelligentes Messsystem dürfen sie nur 60 Prozent ihrer Nennleistung einspeisen. Das klingt dramatisch, kostet in der Praxis aber meist nur wenige Prozent des Ertrags, denn negative Preise treten vor allem in sonnigen Mittagsstunden auf, in denen ohnehin alle Anlagen viel liefern. Die wichtigste Konsequenz: Eigenverbrauch wird noch wertvoller, und ein richtig dimensionierter Speicher gleicht die Effekte weitgehend aus. Mehr dazu unter Photovoltaik mit Speicher.

Wann sich ein Speicher zusätzlich rechnet

Ein Speicher hebt den Eigenverbrauch von etwa 30 auf 60 bis 70 Prozent. Bei heutigen Speicherpreisen von 400 bis 700 Euro pro nutzbarer Kilowattstunde verkürzt ein korrekt dimensionierter Speicher die Amortisation der Gesamtinvestition um etwa 3 Jahre. Wichtig ist das Wort "korrekt": Überdimensionierte Speicher sind ein beliebtes Verkäufer-Instrument. Als Faustregel reichen 5 bis 10 kWh nutzbare Kapazität für die meisten Einfamilienhäuser. Wer eine Wärmepumpe oder ein E-Auto plant, sollte die Anlage von Anfang an größer auslegen; wie das zusammenspielt, erklärt der Ratgeber Photovoltaik mit Wärmepumpe.

Wann sich Photovoltaik NICHT lohnt

Hier verkaufen wir nichts schön, denn es gibt klare Ausschlusskriterien:

  • Starke Verschattung: Wenn Bäume, Nachbargebäude oder Gauben das Dach über weite Teile des Tages verschatten, bricht der Ertrag ein. Teilverschattung lässt sich mit Optimierern mildern, Vollverschattung nicht.
  • Marodes Dach: Muss das Dach in den nächsten 10 Jahren saniert werden, sanieren Sie zuerst. Ab- und Wiederaufbau einer Anlage kostet mehrere Tausend Euro.
  • Sehr geringer Verbrauch: Bei unter 2.000 kWh Jahresverbrauch und ohne geplante Wärmepumpe oder E-Auto trägt der Eigenverbrauch zu wenig. Ein Balkonkraftwerk ist dann oft die bessere Lösung.
  • Absehbarer Verkauf oder unklare Wohnperspektive: Wer in 3 Jahren auszieht, holt die Investition nicht direkt wieder herein (auch wenn eine Anlage den Immobilienwert steigert).

Warum Warten trotzdem selten klug ist

Die Preise für Anlagen sinken zwar leicht weiter, aber die Einspeisevergütung sinkt planmäßig jedes Halbjahr um 1 Prozent mit, und für Neuanlagen ab 2027 ist im Zuge der EEG-Reform eine Kürzung um etwa 1 Cent pro kWh im Gespräch. Wer 2026 in Betrieb nimmt, sichert sich die aktuellen Sätze für 20 Jahre. Jedes Jahr ohne Anlage kostet zudem die volle Stromrechnung. Das ist kein Verkaufsdruck, sondern schlicht der Rechenstand.


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