„Mein Dach zeigt nicht nach Süden, das lohnt sich doch nicht." Dieser Satz hält bis heute viele Hausbesitzer von einer PV-Anlage ab, und er stammt aus einer Zeit, in der Module teuer waren und jede Kilowattstunde eingespeist wurde. Heute stimmt er nicht mehr. In diesem Beitrag sehen Sie die realen Ertragsunterschiede zwischen Süd-, Ost-West- und Norddach in Prozent und warum ein Ost-West-Dach für den Eigenverbrauch oft sogar die bessere Wahl ist.
Die kurze Antwort
Ein Ost-West-Dach liefert etwa 80 bis 85 Prozent des Ertrags eines vergleichbaren Süddachs, ein Norddach noch etwa 60 bis 70 Prozent. Für die Wirtschaftlichkeit ist das selten entscheidend, denn Ost-West-Anlagen produzieren gleichmäßiger über den Tag und passen damit besser zum typischen Verbrauchsprofil eines Haushalts: Strom am Morgen und am Abend, wenn Sie ihn tatsächlich brauchen. Ein Süddach maximiert die Gesamternte, ein Ost-West-Dach oft den Eigenverbrauch.
Die Ertragszahlen im Vergleich
Als Basis dient der spezifische Ertrag in Deutschland: je nach Region 900 bis 1.200 kWh je kWp und Jahr für ein optimal ausgerichtetes Dach. Relativ dazu gilt:
| Ausrichtung | Ertrag relativ zum Süddach | Beispiel: 10 kWp bei 1.000 kWh/kWp Basis |
|---|---|---|
| Süd (Neigung 30 bis 35 Grad) | 100 % | ca. 10.000 kWh/Jahr |
| Südost / Südwest | ca. 90 bis 95 % | ca. 9.000 bis 9.500 kWh/Jahr |
| Ost-West (beide Seiten belegt) | ca. 80 bis 85 % | ca. 8.000 bis 8.500 kWh/Jahr |
| Nord (flach geneigt) | ca. 60 bis 70 % | ca. 6.000 bis 7.000 kWh/Jahr |
Zwei Dinge fallen auf: Erstens sind die Abschläge kleiner, als die meisten erwarten. Zweitens hat ein Ost-West-Dach einen praktischen Vorteil, der in der Tabelle nicht steht: Es bietet zwei belegbare Dachseiten, also doppelt so viel Fläche. Viele Ost-West-Anlagen sind deshalb in Summe größer als es eine einzelne Südfläche wäre und holen den prozentualen Rückstand über die Anlagengröße wieder herein.
Warum Ost-West für den Eigenverbrauch oft besser ist
Ein Süddach produziert eine steile Mittagsspitze: sehr viel Strom zwischen 11 und 15 Uhr, wenig am Morgen und Abend. Genau mittags sind aber viele Haushalte gar nicht zu Hause. Die Folge: Ein großer Teil der Mittagsspitze wird für 7,70 Cent je kWh eingespeist, während Sie morgens und abends Strom für rund 25 bis 30 Cent zukaufen.
Ein Ost-West-Dach dreht dieses Bild: Die Ostseite liefert ab dem frühen Morgen (Kaffeemaschine, Warmwasser, Homeoffice), die Westseite bis in den Abend (Kochen, Waschmaschine, E-Auto nach Feierabend). Die Erzeugungskurve ist flacher, aber breiter, und deckt sich deutlich besser mit dem realen Verbrauch. Da jede selbst verbrauchte Kilowattstunde etwa das Drei- bis Vierfache der Einspeisevergütung wert ist, kann eine Ost-West-Anlage trotz geringerer Gesamternte wirtschaftlich gleichauf oder besser liegen. Ein Speicher verstärkt den Effekt noch, weil er die Restlücken schließt: Mehr dazu auf der Seite Photovoltaik mit Speicher.
Ein Nebeneffekt, der seit dem Solarspitzengesetz relevant ist: Die flachere Mittagsspitze bedeutet auch weniger Einspeisung in den Stunden, in denen die Börsenpreise wegen des vielen PV-Stroms ohnehin im Keller sind.
Wann sich auch ein Norddach rechnet
Ein reines Norddach ist der schwierigste Fall, aber kein automatisches Aus. Drei Konstellationen, in denen es sich rechnen kann:
- Flache Dachneigung: Je flacher das Norddach, desto kleiner der Nachteil. Bei 10 bis 15 Grad Neigung nähert sich die Fläche einem Flachdach an und liefert noch beachtliche Erträge.
- Niedrige Systempreise: Bei aktuellen Preisen von rund 1.015 Euro je kWp (Fraunhofer ISE, 2026) produziert auch ein Norddach mit 60 bis 70 Prozent Ertrag Strom, der deutlich günstiger ist als Netzstrom. Die Amortisation dauert länger, findet aber statt.
- Ergänzungsfläche: Häufig wird das Norddach zusätzlich zur Süd- oder Ost-West-Fläche belegt, wenn der Verbrauch hoch ist (Wärmepumpe, E-Auto) und die Hauptfläche nicht reicht.
Nicht lohnend ist ein Norddach meist bei steiler Neigung über 40 Grad oder zusätzlicher Verschattung. Ein seriöser Fachbetrieb rechnet Ihnen das ehrlich vor, statt pauschal zu verkaufen. Wie Sie den Ertrag für Ihr Dach selbst überschlagen, zeigt der Beitrag PV-Ertrag berechnen, und ob sich die Anlage insgesamt trägt, klärt der Artikel Lohnt sich Photovoltaik?.
Fazit: Die Ausrichtung ist selten das Problem
Von den Faktoren, die über die Wirtschaftlichkeit entscheiden, ist die Dachausrichtung einer der überschätztesten. Ein Preisunterschied von 300 Euro je kWp zwischen zwei Angeboten wiegt schwerer als der Unterschied zwischen Süd- und Ost-West-Dach. Konzentrieren Sie sich also auf faire Preise und saubere Planung, nicht auf die Kompassnadel.
Was bringt Ihr Dach konkret? Lassen Sie es rechnen
Ob Süd, Ost-West oder Nord: Über unseren kostenlosen Angebotsvergleich melden sich maximal 3 geprüfte Fachbetriebe direkt bei Ihnen und kalkulieren den Ertrag Ihrer Dachausrichtung durch, kostenlos und unverbindlich.