PV-Ertrag berechnen: Die Formel und drei Beispiele zum Nachrechnen

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Sie brauchen keine Simulationssoftware, um den Ertrag Ihrer geplanten Photovoltaikanlage abzuschätzen. Eine Multiplikation mit drei Faktoren bringt Sie auf plus minus 10 Prozent an das Ergebnis professioneller Programme heran, und genau das reicht, um ein Angebot auf Plausibilität zu prüfen. In diesem Beitrag steht die Formel, dazu drei komplett durchgerechnete Beispiele.

Die kurze Antwort

Die Formel lautet: Jahresertrag in kWh = Anlagengröße in kWp mal spezifischer Ertrag mal Korrekturfaktoren. Der spezifische Ertrag liegt in Deutschland bei 900 bis 1.200 kWh je kWp und Jahr (Norden weniger, Süden mehr). Die Korrekturfaktoren bilden Ausrichtung (Ost-West etwa 0,80 bis 0,85, Nord etwa 0,60 bis 0,70), Neigung und Verschattung ab. Für eine schnelle Hausnummer genügt: kWp mal 1.000. Eine 10-kWp-Anlage liefert also grob 10.000 kWh im Jahr.

Die Formel im Detail

Sie brauchen vier Angaben:

  1. Anlagengröße in kWp. Falls Sie nur die Modulzahl kennen: Modulzahl mal Modulleistung in Wp, geteilt durch 1.000. Bei 20 Modulen à 450 Wp sind das 9.000 Wp, also 9 kWp. Den kompletten Weg zeigt der Beitrag Wie viele PV-Module brauche ich?.
  2. Spezifischer Ertrag Ihrer Region in kWh je kWp und Jahr. Norddeutschland 900 bis 1.000, Mitte 950 bis 1.050, Süddeutschland 1.100 bis 1.200. Die regionale Tabelle finden Sie im Beitrag Ertrag pro kWp.
  3. Faktor Ausrichtung und Neigung. Süddach mit 30 bis 35 Grad: 1,0. Südost oder Südwest: 0,90 bis 0,95. Ost-West: 0,80 bis 0,85. Nord: 0,60 bis 0,70. Sehr flache oder sehr steile Dächer: zusätzlich etwa 0,90 bis 0,95.
  4. Faktor Verschattung. Keine Verschattung: 1,0. Leichte Teilverschattung (Schornstein, Gaube): 0,90 bis 0,97. Deutliche Verschattung: 0,70 bis 0,90.

Systemverluste durch Wechselrichter, Kabel und Temperatur müssen Sie nicht separat abziehen, sie stecken bereits in den spezifischen Erträgen.

Beispiel 1: Süddach in Bayern

Ein Einfamilienhaus bei Augsburg, Satteldach nach Süden, 35 Grad Neigung, 24 Module à 450 Wp, keine nennenswerte Verschattung.

  • Anlagengröße: 24 mal 450 Wp = 10.800 Wp = 10,8 kWp
  • Spezifischer Ertrag Bayern: 1.150 kWh je kWp
  • Faktor Ausrichtung und Neigung: 1,0
  • Faktor Verschattung: 1,0

Rechnung: 10,8 mal 1.150 mal 1,0 mal 1,0 = 12.420 kWh im Jahr

Zur Einordnung: Bei einem Eigenverbrauch von 30 Prozent (also rund 3.700 kWh zu je etwa 30 Cent gesparten Stromkosten) und 8.700 kWh Einspeisung zu 7,70 Cent ergibt das grob 1.110 Euro plus 670 Euro, also rund 1.780 Euro wirtschaftlichen Nutzen im Jahr.

Beispiel 2: Ost-West-Dach in NRW

Ein Haus bei Dortmund, Satteldach in Ost-West-Ausrichtung, 40 Grad Neigung, je 9 Module pro Seite à 470 Wp, ein Schornstein verschattet nachmittags zwei Module.

  • Anlagengröße: 18 mal 470 Wp = 8.460 Wp = 8,46 kWp
  • Spezifischer Ertrag NRW: 1.000 kWh je kWp
  • Faktor Ausrichtung: Ost-West 0,83, dazu 40 Grad Neigung 0,97, zusammen rund 0,81
  • Faktor Verschattung: 0,95

Rechnung: 8,46 mal 1.000 mal 0,81 mal 0,95 = 6.510 kWh im Jahr

Der Ertrag je kWp liegt hier bei rund 770 kWh, deutlich unter dem bayerischen Beispiel. Dafür verteilt sich die Erzeugung gleichmäßiger über den Tag, was den Eigenverbrauchsanteil in der Praxis auf 35 bis 40 Prozent hebt. Warum das wirtschaftlich viel wert ist, erklärt der Beitrag Photovoltaik auf dem Ost-West-Dach.

Beispiel 3: Flachdach-Bungalow in Niedersachsen

Ein Bungalow bei Hannover, Flachdach, Module nach Süden mit 15 Grad aufgeständert, 14 Module à 440 Wp, freie Fläche ohne Verschattung.

  • Anlagengröße: 14 mal 440 Wp = 6.160 Wp = 6,16 kWp
  • Spezifischer Ertrag Niedersachsen: 950 kWh je kWp
  • Faktor Ausrichtung und Neigung: Süd, aber flach aufgeständert 0,94
  • Faktor Verschattung: 1,0

Rechnung: 6,16 mal 950 mal 0,94 mal 1,0 = 5.500 kWh im Jahr

Die flache Aufständerung kostet hier rund 350 kWh gegenüber dem Optimum. Dafür passen mehr Module aufs Dach, weil die Reihenabstände kleiner ausfallen. Diesen Zielkonflikt beschreibt die Seite Photovoltaik auf dem Flachdach genauer.

Wozu die Zahl gut ist: Angebote plausibilisieren

Der praktische Nutzen der Rechnung liegt beim Angebotsvergleich. Prüfen Sie in jedem Angebot drei Dinge:

Erstens die Ertragsprognose. Weicht sie um mehr als 10 bis 15 Prozent nach oben von Ihrer Rechnung ab, fragen Sie nach der Herleitung. Zu hohe Prognosen verkürzen die Amortisationszeit auf dem Papier und sind ein bekanntes Vertriebsmittel.

Zweitens die Ersparnisrechnung. Viele Angebote rechnen mit unrealistisch hohem Eigenverbrauch. Ohne Speicher liegen Haushalte typischerweise bei 25 bis 35 Prozent, mit Speicher bei 60 bis 70 Prozent. Wer Ihnen 80 Prozent Eigenverbrauch ohne Speicher verspricht, rechnet schön.

Drittens den Strompreis in der Kalkulation. Neukundentarife liegen 2026 bei rund 25 Cent je kWh. Angebote, die mit 40 Cent kalkulieren, produzieren beeindruckende, aber wertlose Zahlen.

Ergänzend sollten Sie den Preis pro kWp berechnen und mit dem Marktniveau vergleichen, siehe Photovoltaik: Preis pro kWp und Was kostet eine Photovoltaikanlage?. Ertrag und Preis zusammen ergeben erst das vollständige Bild.

Für eine genauere Rechnung nutzen Fachbetriebe Simulationsprogramme, die den Sonnenverlauf über das Jahr, die exakte Verschattung und das Modulverhalten abbilden. Ihre Überschlagsrechnung ersetzt das nicht, aber sie zeigt Ihnen zuverlässig, ob ein Angebot im realistischen Rahmen liegt.


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