Ihr Dach hat den Neigungswinkel, den es hat. Trotzdem ist die Frage berechtigt, wie stark dieser Winkel den Ertrag beeinflusst, denn auf dem Flachdach und bei der Aufständerung können Sie ihn tatsächlich wählen. Die kurze Version vorweg: Es gibt ein Optimum, aber die Kurve rund um dieses Optimum ist erstaunlich flach. In diesem Beitrag sehen Sie in Zahlen, was Abweichungen kosten und wann ein anderer Winkel sogar Vorteile bringt.
Die kurze Antwort
Der optimale Neigungswinkel für Photovoltaik in Deutschland liegt bei etwa 30 bis 35 Grad in Südausrichtung. Entscheidend ist aber die Erkenntnis dahinter: Abweichungen kosten weniger, als die meisten denken. Zwischen 20 und 45 Grad verlieren Sie bei Südausrichtung nur wenige Prozent. Selbst ein flaches Dach mit 10 Grad oder ein steiles mit 55 Grad liefert noch rund 90 Prozent des Optimums. Der Neigungswinkel ist damit fast nie ein Grund, auf eine Anlage zu verzichten.
Warum 30 bis 35 Grad optimal sind
Der ideale Winkel ergibt sich aus dem Sonnenstand über das Jahr. In Deutschland (etwa 47 bis 55 Grad nördliche Breite) steht die Sonne im Sommer hoch und im Winter tief. Ein Winkel von 30 bis 35 Grad trifft den besten Kompromiss über alle Monate hinweg: Er nimmt die ertragreichen Sommermonate gut mit, ohne die Wintersonne komplett zu verschenken. In Süddeutschland liegt das Optimum eher bei 35 Grad, im Norden eher bei 30 Grad.
Der Glücksfall dabei: Die allermeisten deutschen Satteldächer haben genau diese Neigung. Wenn Ihr Dach zwischen 30 und 45 Grad geneigt ist, was auf einen Großteil der Einfamilienhäuser zutrifft, brauchen Sie über den Winkel nicht weiter nachzudenken.
Was Abweichungen tatsächlich kosten
Diese Übersicht zeigt den ungefähren Jahresertrag bei Südausrichtung, bezogen auf das Optimum:
| Neigungswinkel | Ertrag relativ zum Optimum | Typischer Fall |
|---|---|---|
| 0 Grad (waagerecht) | ca. 85 bis 88 % | Flachdach ohne Aufständerung |
| 10 bis 15 Grad | ca. 92 bis 95 % | Flachdach flach aufgeständert, Bungalow |
| 20 bis 25 Grad | ca. 97 bis 99 % | Flach geneigtes Satteldach |
| 30 bis 35 Grad | 100 % | Optimum |
| 40 bis 45 Grad | ca. 97 bis 99 % | Klassisches Steildach |
| 50 bis 60 Grad | ca. 88 bis 93 % | Sehr steiles Dach, Fassadennähe |
| 90 Grad (senkrecht) | ca. 65 bis 70 % | Fassadenanlage |
Ein Beispiel zum Einordnen: Bei einer 10-kWp-Anlage mit 10.000 kWh Jahresertrag im Optimum kostet ein Dach mit 45 statt 32 Grad rund 200 kWh im Jahr. Bei einem Mischwert aus Eigenverbrauch und Einspeisung sind das grob 30 bis 40 Euro jährlich. Das ist weniger, als zwei Angebote im Preis auseinanderliegen können. Wie Sie Angebote sauber vergleichen, lesen Sie im Beitrag Photovoltaik: Preis pro kWp.
Flachdach: Aufständerung und der Flächenkompromiss
Auf dem Flachdach wählen Sie den Winkel selbst, und dort wird es interessant. Theoretisch wären 30 Grad ideal, praktisch werden Flachdachanlagen meist mit 10 bis 20 Grad aufgeständert. Der Grund ist die Fläche: Je steiler die Module stehen, desto größer muss der Reihenabstand sein, damit sich die Reihen nicht gegenseitig verschatten. Bei 30 Grad Aufständerung passen deutlich weniger Module aufs Dach als bei 12 Grad.
Die Rechnung geht deshalb fast immer zugunsten der flacheren Variante aus: lieber 20 Module mit 93 Prozent Ertrag als 13 Module mit 100 Prozent. Dazu kommen zwei praktische Argumente: Flachere Aufständerungen brauchen weniger Ballast (weniger Windangriffsfläche, weniger Dachlast) und sind meist günstiger. Beliebt ist auf Flachdächern außerdem die Ost-West-Aufständerung in flachem Winkel, die die Fläche noch besser ausnutzt. Details dazu finden Sie auf der Seite Photovoltaik auf dem Flachdach und im Beitrag Photovoltaik auf dem Ost-West-Dach.
Steile Dächer und der Wintervorteil
Ein steiles Dach mit 45 bis 60 Grad verliert übers Jahr ein paar Prozent, hat aber zwei unterschätzte Vorteile. Erstens fängt es die tief stehende Wintersonne besser ein und liefert in den ertragsschwachen Monaten November bis Februar relativ mehr Strom. Genau dann brauchen Sie den Strom im Haus am dringendsten, weil kaum Überschuss anfällt. Zweitens rutscht Schnee auf steilen Dächern schneller ab, die Module sind also früher wieder frei.
Für Haushalte mit Wärmepumpe kann das relevant sein, weil deren Verbrauch im Winter am höchsten ist. Ein Ertragsplus im Winter ist dort mehr wert als ein Ertragsplus im Juni, wenn ohnehin eingespeist wird. Wie viel Strom Ihre Anlage über das Jahr verteilt liefert, zeigt der Beitrag Ertrag pro kWp.
Was Sie im Angebot prüfen sollten
Der Neigungswinkel Ihres Dachs sollte im Angebot stehen, ebenso wie die Ausrichtung und die daraus abgeleitete Ertragsprognose in kWh je Jahr. Fehlen diese Angaben oder taucht nur eine runde Zahl ohne Herleitung auf, fragen Sie nach. Seriöse Betriebe messen Neigung und Ausrichtung beim Vor-Ort-Termin und rechnen mit Simulationssoftware. Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter den Winkel als Verkaufsargument für teure Zusatzsysteme nutzt: Nachführsysteme, die den Modulen der Sonne folgen, lohnen sich auf Einfamilienhausdächern in Deutschland praktisch nie.
Winkel geklärt, Angebote fehlen noch
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