Nulleinspeisung: Wann es sinnvoll ist, gar keinen Strom ins Netz zu geben

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Eine Photovoltaikanlage, die bewusst nichts einspeist, klingt zunächst nach Verschwendung. In bestimmten Konstellationen ist sie aber der schnellste und manchmal einzige Weg zur eigenen Stromerzeugung. Seit die Einspeisevergütung bei 7,70 Cent liegt und das Solarspitzengesetz die Vergütung in negativen Preisstunden streicht, schauen sich immer mehr Hausbesitzer diese Variante an. Hier steht, wann sie passt und wann sie ein teurer Umweg ist.

Die kurze Antwort

Bei einer Nulleinspeisung wird die Anlage so geregelt, dass sie keinen Strom ins öffentliche Netz abgibt. Ein Sensor am Netzanschlusspunkt misst permanent, und der Wechselrichter drosselt die Erzeugung genau auf den Hausverbrauch. Sinnvoll ist das vor allem bei schwierigem oder teurem Netzanschluss, bei Ü20-Anlagen ohne Vergütung und in Konstellationen, in denen die Einspeisung genehmigungsrechtlich Probleme macht. Der Preis dafür: Überschüssiger Strom wird schlicht nicht erzeugt und ist verloren. Bei einem normalen Einfamilienhaus mit unkompliziertem Netzanschluss ist die Nulleinspeisung deshalb fast nie die wirtschaftlich beste Wahl.

Wie Nulleinspeisung technisch funktioniert

Der Aufbau ist unspektakulär und bei modernen Wechselrichtern serienmäßig vorgesehen:

  1. Ein Energiezähler oder Stromsensor sitzt direkt am Netzanschlusspunkt und misst, ob gerade Strom ins Netz fließt.
  2. Der Messwert geht an den Wechselrichter oder das Energiemanagementsystem.
  3. Sobald Einspeisung droht, wird die Ausgangsleistung heruntergeregelt, bis der Fluss bei null liegt.

Die Regelung arbeitet in Sekunden. Ein kurzer Ausschlag beim Abschalten eines großen Verbrauchers ist technisch unvermeidbar und netzrechtlich unproblematisch. Ergänzt wird die Nulleinspeisung meist durch einen Speicher und weitere Abnehmer für den Überschuss, etwa einen Heizstab für Warmwasser, damit möglichst wenig Ertrag verworfen wird.

Wichtig: Auch eine Anlage mit Nulleinspeisung muss beim Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister eingetragen werden. Die Nulleinspeisung befreit Sie nicht von den Formalien, sie vereinfacht nur den technischen Anschluss.

Wann Nulleinspeisung sinnvoll ist

1. Schwieriger oder teurer Netzanschluss. Wenn der Netzbetreiber am Standort keine oder nur eine begrenzte Einspeiseleistung zulässt oder aufwendige Netzverstärkungen verlangen würde, ist die Nulleinspeisung oft der pragmatische Weg zur genehmigten Anlage.

2. Ü20-Anlagen nach Förderende. Läuft die 20-jährige EEG-Vergütung aus, bringt eingespeister Strom nur noch wenige Cent. Wer den Verwaltungsaufwand der Anschlussvermarktung vermeiden will, kann auf Nulleinspeisung umstellen und den Ertrag vollständig selbst nutzen. Ein Speicher ist dann fast Pflicht, siehe Stromspeicher nachrüsten.

3. Mietobjekte, Nebengebäude und Sonderfälle. In Konstellationen, in denen die Einspeisung eigentumsrechtlich oder vertraglich kompliziert ist, etwa bei Werkstätten, Ferienhäusern oder Gebäuden mit unklarer Zählerstruktur, spart die Nulleinspeisung viel Abstimmungsaufwand.

4. Sehr schneller Projektstart gewünscht. Da keine Einspeiseleistung verhandelt werden muss, verkürzt sich in manchen Netzgebieten der Vorlauf spürbar.

Der Zusammenhang mit dem Solarspitzengesetz

Seit dem Solarspitzengesetz gilt für Neuanlagen: keine Einspeisevergütung in Stunden mit negativen Börsenpreisen, und ohne intelligentes Messsystem dürfen maximal 60 Prozent der Nennleistung eingespeist werden. Beides senkt den finanziellen Wert der Einspeisung.

Daraus folgt aber nicht automatisch die Nulleinspeisung. Der bessere Weg für die meisten Haushalte ist ein intelligentes Messsystem plus Speicher, denn dann kassieren Sie die Vergütung in den vielen Stunden, in denen die Preise positiv sind, und speichern in den anderen. Wie das Messkonzept aussieht, erklärt der Beitrag Smart Meter und Photovoltaik. Nulleinspeisung ist die Lösung für Sonderfälle, nicht der neue Standard.

Die Nachteile ehrlich benannt

  • Verschenkter Überschuss. An sonnigen Tagen im Mai deckt Ihre Anlage den Hausverbrauch schon vormittags. Der Rest wird nicht erzeugt. Bei einer 10-kWp-Anlage können das leicht 3.000 bis 5.000 kWh im Jahr sein. Bei 7,70 Cent Vergütung entspricht das rund 230 bis 385 Euro entgangener Einnahmen jährlich, über 20 Jahre also eine vierstellige Summe.
  • Kein Nachweis der Erzeugung. Ohne Einspeisung fehlt Ihnen ein Referenzwert, an dem Sie die volle Leistungsfähigkeit der Anlage ablesen können.
  • Speicher wird wichtiger. Um den Verlust zu begrenzen, brauchen Sie mehr Speicher- und Abnahmekapazität, was Kosten verursacht. Zur Dimensionierung siehe Stromspeicher-Größe berechnen.
  • Kleinere Anlage nötig. Weil Überschuss ohnehin verfällt, dimensionieren viele die Anlage kleiner. Damit verlieren Sie die günstigen Skaleneffekte: Der Preis je Kilowattpeak sinkt mit der Anlagengröße, wie die Übersicht auf unserer Seite Photovoltaikanlage: Kosten zeigt.

So entscheiden Sie richtig

Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Erstens, ob Ihr Netzbetreiber die gewünschte Einspeiseleistung überhaupt genehmigt. Zweitens, welche Mehrkosten eine reguläre Einspeisung verursachen würde. Drittens, wie viel Ertrag bei Nulleinspeisung rechnerisch verloren ginge. Erst wenn die Mehrkosten der Einspeisung den entgangenen Ertrag übersteigen, ist die Nulleinspeisung die bessere Wahl.

Ein guter Fachbetrieb rechnet Ihnen beide Varianten durch, statt eine davon pauschal zu empfehlen. Wer die Nulleinspeisung als generelle Lösung anpreist, verkürzt das Thema. Wie Sie den Eigenverbrauch in beiden Varianten maximieren, steht im Beitrag Eigenverbrauch erhöhen.


Beide Varianten durchrechnen lassen

Sie wissen nicht, ob Einspeisung oder Nulleinspeisung für Ihr Objekt der bessere Weg ist? Über unseren kostenlosen Angebotsvergleich erhalten Sie Angebote von Fachbetrieben, die Netzanschluss und Ertragsverluste sauber gegenüberstellen. Maximal 3 geprüfte Fachbetriebe melden sich direkt bei Ihnen, kostenlos und unverbindlich.

Mehr aus dem Blog

Weitere Artikel

Angebote vergleichen statt überzahlen

Tragen Sie sich ein: Bis zu 3 geprüfte Photovoltaik-Fachbetriebe aus Ihrer Region melden sich direkt bei Ihnen. Kostenlos und unverbindlich.

Jetzt kostenlose Angebote erhalten