Stromspeicher-Größe berechnen: So finden Sie die richtige kWh-Zahl

☀️ DE | PV - Check·5 Min. Lesezeit

Die Speichergröße ist die Stellschraube, an der Verkäufer am liebsten drehen. Jede zusätzliche Kilowattstunde bringt dem Anbieter Marge, Ihnen aber ab einem bestimmten Punkt fast nichts mehr. Wer die Stromspeicher-Größe selbst berechnen kann, erkennt überdimensionierte Angebote auf einen Blick und spart schnell mehrere tausend Euro. Die gute Nachricht: Die Rechnung ist einfacher, als viele denken.

Die kurze Antwort

Als Faustformel gilt: etwa 1 kWh nutzbare Speicherkapazität je 1.000 kWh Jahresstromverbrauch. Ein Haushalt mit 4.000 kWh Verbrauch ist mit 4 bis 5 kWh gut bedient, mit 6.000 kWh passen 6 bis 7 kWh. Entscheidend ist immer die nutzbare Kapazität, nicht die Brutto-Angabe im Prospekt. Mit richtig dimensioniertem Speicher steigt der Eigenverbrauch von rund 30 auf 60 bis 70 Prozent. Jede kWh kostet 400 bis 700 Euro: Überdimensionierung wird also teuer, ohne dass die Stromrechnung weiter sinkt.

Die Faustformel und was dahintersteckt

Ein Speicher soll den PV-Strom vom Tag in den Abend und die Nacht retten. Dafür muss er ungefähr so viel aufnehmen können, wie Ihr Haushalt zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang verbraucht. Daraus ergibt sich die bewährte Faustformel: rund 1 kWh Speicher je 1.000 kWh Jahresverbrauch. Manche Planer setzen zusätzlich die Anlagengröße als Obergrenze an: mehr als etwa 1,5 kWh Speicher je Kilowattpeak PV-Leistung ist selten sinnvoll, weil die Anlage den Speicher sonst an vielen Tagen gar nicht vollbekommt.

Ob sich ein Speicher für Ihren Fall überhaupt rechnet, haben wir im Beitrag Lohnt sich ein Stromspeicher? durchgerechnet. Hier geht es allein um die richtige Größe.

Nutzbare kWh oder Brutto-kWh: der beliebteste Zahlentrick

In Datenblättern stehen oft zwei Werte: die Brutto-Kapazität und die nutzbare Kapazität. Da Batterien nie komplett entladen werden dürfen, liegt die nutzbare Kapazität typischerweise 10 bis 20 Prozent unter dem Brutto-Wert. Ein „10-kWh-Speicher" liefert also real oft nur 8 bis 9 kWh.

Für Ihren Angebotsvergleich heißt das: Lassen Sie sich immer die nutzbare Kapazität in kWh nennen und rechnen Sie den Preis pro nutzbarer kWh aus. Fair sind derzeit 400 bis 700 Euro je nutzbarer kWh, gute Einstiegsangebote liegen sogar darunter. Alles deutlich darüber sollte gut begründet sein. Mehr Preisdetails finden Sie im Artikel Stromspeicher-Kosten.

Rechenbeispiel 1: Haushalt mit 4.000 kWh

Eine vierköpfige Familie mit 4.000 kWh Jahresverbrauch verbraucht abends und nachts grob 10 bis 12 kWh pro Tag außerhalb der Sonnenstunden, im Sommer weniger, im Winter mehr, wobei im Winter oft der PV-Ertrag fehlt. Realistisch nutzbar sind an einem durchschnittlichen Tag etwa 4 bis 5 kWh Speicherinhalt.

Passende Größe: 4 bis 5 kWh nutzbar. Ein 10-kWh-Speicher würde hier an den meisten Tagen halb leer bleiben oder halb voll herumstehen. Die zusätzlichen 5 kWh kosten bei 400 bis 700 Euro je kWh schnell 2.000 bis 3.500 Euro extra, bringen aber kaum zusätzliche Ersparnis.

Rechenbeispiel 2: Haushalt mit 6.000 kWh

Bei 6.000 kWh Jahresverbrauch, etwa durch Homeoffice, Aquarium oder eine große Familie, ergibt die Faustformel 6 bis 7 kWh nutzbare Kapazität. Auch hier gilt: Der Speicher muss zur PV-Anlage passen. Auf einem kleinen Dach mit 6 kWp ist ein 7-kWh-Speicher die sinnvolle Obergrenze, weil im Herbst und Winter schlicht der Überschuss fehlt, um mehr zu füllen.

Sonderfall Wärmepumpe und E-Auto: größer planen, aber mit Maß

Kommen große Verbraucher dazu, verschiebt sich die Rechnung:

  • Wärmepumpe: Sie erhöht den Jahresverbrauch oft um 3.000 bis 5.000 kWh. Allerdings läuft sie vor allem im Winter, wenn der Speicher ohnehin selten voll wird. Sinnvoll ist meist ein Aufschlag von 2 bis 3 kWh, nicht die volle Faustformel auf den Gesamtverbrauch. Wie das Zusammenspiel funktioniert, zeigt unsere Seite Photovoltaik mit Wärmepumpe.
  • E-Auto: Ein Elektroauto lädt am günstigsten direkt aus dem PV-Überschuss über die Wallbox, nicht aus dem Hausspeicher. Den Akku des Autos über den teuren Heimspeicher zu laden, lohnt sich fast nie. Planen Sie daher höchstens 1 bis 2 kWh zusätzlich ein, Details auf der Seite Photovoltaik mit Wallbox.

Ein Haushalt mit 4.500 kWh Grundverbrauch, Wärmepumpe und E-Auto landet so realistisch bei 7 bis 10 kWh nutzbarer Kapazität, nicht bei den 15 bis 20 kWh, die mancher Vertriebler gern verkauft.

Warum größer nicht besser ist

Drei Gründe sprechen gegen den Riesenspeicher:

  1. Die Ersparnis flacht ab. Die ersten Kilowattstunden Speicher heben den Eigenverbrauch kräftig an, von rund 30 Prozent ohne Speicher auf 60 bis 70 Prozent. Jede weitere kWh bringt immer weniger, weil die Nächte irgendwann abgedeckt sind.
  2. Jede kWh kostet Geld. Bei 400 bis 700 Euro je nutzbarer kWh verlängert jede überflüssige Kilowattstunde die Amortisationszeit des gesamten Systems.
  3. Teilzyklen statt Vollzyklen. Ein zu großer Speicher wird selten voll be- und entladen. Sie bezahlen Kapazität, die über 15 Jahre Lebensdauer kaum arbeitet.

Ein ehrlicher Fachbetrieb fragt deshalb zuerst nach Ihrem Jahresverbrauch und Ihren Plänen (Wärmepumpe, E-Auto) und rechnet dann die Größe her. Wer sofort „mindestens 10 kWh" empfiehlt, ohne Ihre Stromrechnung gesehen zu haben, verkauft eine Marge, keine Lösung.

So gehen Sie konkret vor

  1. Jahresverbrauch von der letzten Stromrechnung ablesen.
  2. Faustformel anwenden: Verbrauch in kWh geteilt durch 1.000, das Ergebnis in nutzbaren kWh.
  3. Zuschläge für Wärmepumpe (2 bis 3 kWh) und E-Auto (1 bis 2 kWh) prüfen.
  4. Angebote auf nutzbare kWh und Preis je kWh vergleichen, nicht auf Brutto-Werte.
  5. Bei großen Abweichungen nach oben eine schriftliche Begründung verlangen.

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