Ihre Photovoltaikanlage läuft seit Jahren, aber der meiste Strom fließt für ein paar Cent ins Netz? Dann sind Sie in guter Gesellschaft: Hunderttausende Bestandsanlagen wurden gebaut, als Speicher noch unbezahlbar waren. Inzwischen kostet die Kilowattstunde Speicherkapazität nur noch einen Bruchteil der früheren Preise. Ob und wie Sie einen Stromspeicher nachrüsten sollten, hängt vor allem von zwei Fragen ab: Welche Technik passt zu Ihrer Anlage, und was zahlen Sie für Ihren Netzstrom?
Die kurze Antwort
Ein Stromspeicher lässt sich bei praktisch jeder bestehenden PV-Anlage nachrüsten, meist als AC-gekoppeltes System mit eigenem Batteriewechselrichter. Die Kosten liegen bei 400 bis 700 Euro je nutzbarer Kilowattstunde plus Installation, ein typischer 5- bis 8-kWh-Speicher kostet also grob 3.000 bis 6.000 Euro komplett. Der Eigenverbrauch steigt damit von rund 30 auf 60 bis 70 Prozent. Besonders interessant ist die Nachrüstung für Anlagen mit niedriger oder ausgelaufener Einspeisevergütung: Je weniger die eingespeiste Kilowattstunde bringt, desto mehr lohnt sich das Speichern.
AC oder DC: die zwei Wege der Nachrüstung
Bei der Nachrüstung gibt es zwei technische Ansätze:
AC-Kopplung: Der Speicher bekommt einen eigenen Batteriewechselrichter und wird hinter Ihrem bestehenden Wechselrichter ans Hausnetz angeschlossen. Vorteil: Ihre alte Anlage bleibt komplett unangetastet, die Lösung funktioniert mit jedem Anlagentyp und jedem Alter. Nachteil: Der Strom wird zweimal umgewandelt (Gleichstrom zu Wechselstrom zu Gleichstrom und zurück), was ein paar Prozent Verlust kostet. Für die allermeisten Nachrüstungen ist AC trotzdem die pragmatische Wahl.
DC-Kopplung: Der Speicher hängt direkt am Gleichstromkreis der Anlage, dafür braucht es einen Hybrid-Wechselrichter. Das ist effizienter, lohnt sich bei der Nachrüstung aber meist nur, wenn Ihr Wechselrichter ohnehin getauscht werden muss. Da Wechselrichter typischerweise nach 10 bis 15 Jahren ersetzt werden, ist genau dieser Moment die günstigste Gelegenheit: Statt eines einfachen Ersatzgeräts setzen Sie einen Hybrid-Wechselrichter ein und schließen den Speicher direkt an. So zahlen Sie den Gerätetausch nur einmal.
Was die Nachrüstung kostet
Die Preisspanne für Speicher liegt aktuell bei 400 bis 700 Euro je nutzbarer kWh, Einstiegsangebote teils darunter. Dazu kommen bei der Nachrüstung:
- Batteriewechselrichter (bei AC-Kopplung), oft 1.000 bis 2.000 Euro, sofern nicht im Paketpreis enthalten
- Installation, Anmeldung beim Netzbetreiber und Eintrag im Marktstammdatenregister
- gegebenenfalls Anpassungen am Zählerschrank
Realistisch sollten Sie für einen komplett installierten 5- bis 8-kWh-Speicher etwa 3.000 bis 6.000 Euro einplanen. Wichtig beim Vergleich: Immer den Preis je nutzbarer kWh ausrechnen, nicht je Brutto-kWh. Wie Sie die passende Größe bestimmen, steht im Beitrag Stromspeicher-Größe berechnen, aktuelle Preisdetails im Artikel Stromspeicher-Kosten.
Für wen sich die Nachrüstung besonders lohnt
Die Wirtschaftlichkeit hängt an der Differenz zwischen Ihrem Strompreis und Ihrer Einspeisevergütung:
- Anlagen mit alter, hoher Vergütung (40 Cent und mehr): Hier lohnt der Speicher meist NICHT, solange die Vergütung läuft. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde kostet Sie die hohe Einspeisevergütung.
- Anlagen der letzten Jahre (unter 10 Cent Vergütung): Klarer Fall für die Nachrüstung. Selbst verbrauchen bringt rund 30 Cent Ersparnis, einspeisen nur 7 bis 8 Cent.
- Ü20-Anlagen nach Förderende: Der stärkste Fall. Nach 20 Jahren endet die EEG-Vergütung, für eingespeisten Strom gibt es nur noch wenige Cent. Ein Speicher macht aus der alten Anlage wieder ein wirtschaftliches Kraftwerk, oft kombiniert mit dem ohnehin fälligen Wechselrichtertausch.
Dazu kommt ein neuer Faktor: Seit dem Solarspitzengesetz gibt es für Neuanlagen bei negativen Börsenpreisen keine Einspeisevergütung mehr, und auch Bestandsbetreiber merken, dass mittags eingespeister Strom immer weniger wert ist. Ein Speicher verschiebt genau diesen Mittagsstrom in den Abend. Wer zusätzlich einen dynamischen Stromtarif nutzt, kann den Speicher sogar gezielt in Billigstunden aus dem Netz laden.
Was Sie vor der Beauftragung klären sollten
- Verträgt der Zählerschrank die Erweiterung? Ältere Installationen brauchen manchmal eine Ertüchtigung, das gehört ins Angebot, nicht in die Nachtragsrechnung.
- Notstrom gewünscht? Nicht jeder nachgerüstete Speicher liefert bei Stromausfall Strom. Wenn Ihnen das wichtig ist, muss es von Anfang an mitgeplant werden, Details im Beitrag Photovoltaik und Notstrom.
- Garantien prüfen: Auf die Batterie sollten 10 Jahre Herstellergarantie stehen, mit klarer Angabe zur Restkapazität.
- Anmeldung: Auch ein nachgerüsteter Speicher muss beim Netzbetreiber angemeldet und im Marktstammdatenregister eingetragen werden. Ein seriöser Fachbetrieb übernimmt das.
Ehrliches Fazit
Die Nachrüstung ist heute technisch Routine und wirtschaftlich in den meisten Fällen sinnvoll, sofern Ihre Einspeisevergütung niedrig ist und der Speicher zur Anlagengröße passt. Die typischen Fehler passieren beim Einkauf: Brutto- statt nutzbare kWh verglichen, Speicher überdimensioniert, Zählerschrank-Kosten übersehen. Wer zwei bis drei Angebote nebeneinanderlegt, sieht diese Unterschiede sofort. Was komplette Neuanlagen mit Speicher kosten, zeigt übrigens der Beitrag Photovoltaikanlage mit Speicher: Kosten.
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