Photovoltaik und Notstrom: Warum die Anlage beim Blackout meistens ausgeht

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Es ist die Überraschung, die viele Anlagenbesitzer erst beim ersten Stromausfall erleben: Die Sonne scheint, die Module liegen auf dem Dach, der Speicher ist voll, und im Haus bleibt es trotzdem dunkel. Das ist kein Defekt, sondern Vorschrift. Wer bei Netzausfall wirklich Strom haben will, muss das vorher planen und bezahlen. Dieser Beitrag erklärt nüchtern, welche drei Ausbaustufen es gibt, was sie kosten und für wen sich der Aufpreis lohnt.

Die kurze Antwort

Eine normale netzgekoppelte PV-Anlage schaltet bei Stromausfall automatisch ab. Der Grund ist der vorgeschriebene Netz- und Anlagenschutz, der verhindert, dass Sie Strom in ein Netz einspeisen, an dem Monteure arbeiten. Wer trotzdem Strom haben will, braucht Notstrom (eine einzelne Steckdose, manueller Start, meist 0 bis 500 Euro Aufpreis), Ersatzstrom (automatische Umschaltung, ganzes Haus oder Teilkreis, typischerweise 1.000 bis 3.000 Euro Aufpreis) oder eine inselfähige Anlage mit Schwarzstartfähigkeit, die auch tagelange Ausfälle überbrückt.

Warum die Anlage abschaltet: der Netz- und Anlagenschutz

Jeder Wechselrichter in Deutschland muss sich bei Netzausfall innerhalb von Sekundenbruchteilen abschalten. Diese Regel schützt Leben: Würden tausende PV-Anlagen weiter einspeisen, stünden abgeschaltete Leitungen unter Spannung. Deshalb ist das Abschalten kein Mangel Ihrer Anlage, sondern die einzige zulässige Grundeinstellung.

Der Ausweg besteht darin, das Haus im Notfall vom Netz zu trennen und ein eigenes, abgeschottetes Inselnetz aufzubauen. Genau das leisten die folgenden Ausbaustufen, und genau dafür braucht es zusätzliche Technik.

Stufe 1: Notstrom, die einfache Steckdose

Bei einer Notstromlösung liefert der Speicher oder Wechselrichter im Fall eines Ausfalls Strom an eine oder wenige separate Steckdosen. Sie müssen die Funktion in aller Regel manuell starten, etwa per Schalter am Gerät.

  • Leistung: meist 1,5 bis 3,7 kW, ausreichend für Kühlschrank, Router, Licht, Laden von Geräten
  • Umschaltung: manuell, mit Unterbrechung
  • Aufpreis: von 0 Euro (Funktion bereits im Gerät enthalten) bis etwa 500 Euro

Für die typische Sorge „Was, wenn der Strom mal für ein paar Stunden weg ist" reicht das oft völlig. Wichtig: Nicht jeder Speicher kann das, und viele Geräte können es nur, wenn die entsprechende Steckdose bei der Installation mit verkabelt wurde. Nachträglich ist das deutlich aufwendiger.

Stufe 2: Ersatzstrom, das Haus läuft weiter

Beim Ersatzstrombetrieb trennt eine automatische Umschalteinrichtung das Haus vom öffentlichen Netz und der Hybrid-Wechselrichter baut ein eigenes Hausnetz auf. Nach wenigen Sekunden läuft der Haushalt weiter, teils sogar unterbrechungsfrei.

  • Leistung: meist 3 bis 11 kW, je nach Gerät ein- oder dreiphasig
  • Umschaltung: automatisch
  • Aufpreis: typischerweise 1.000 bis 3.000 Euro für Umschaltbox, Verkabelung und passenden Wechselrichter

Wichtig zu wissen: Bei vielen einphasigen Lösungen läuft im Ersatzstrombetrieb nur ein Stromkreis. Herd, Durchlauferhitzer oder Wärmepumpe brauchen dreiphasige Versorgung und bleiben dann aus. Fragen Sie deshalb im Angebot konkret nach, welche Verbraucher im Ersatzstromfall funktionieren, und lassen Sie sich das schriftlich geben.

Ein zweiter Punkt, der gern verschwiegen wird: Ob die PV-Anlage im Inselbetrieb weiterproduziert und den Speicher nachlädt, hängt vom Gerät ab. Kann sie es nicht, sind Sie nach ein paar Stunden trotz Sonnenschein wieder ohne Strom.

Stufe 3: echte Inselfähigkeit mit Schwarzstart

Die höchste Stufe ist ein System, das nicht nur umschaltet, sondern das Inselnetz auch aus dem Stillstand heraus aufbauen kann (Schwarzstart) und die PV-Anlage im Inselbetrieb weiter nutzt. Damit überstehen Sie auch mehrtägige Ausfälle, solange die Sonne scheint.

Solche Systeme kosten deutlich mehr, brauchen einen Speicher mit ausreichender Kapazität und eine saubere Aufteilung der Stromkreise in wichtig und unwichtig. Für dauerhaft netzferne Gebäude ist ohnehin eine eigene Bauart sinnvoll, siehe unseren Beitrag zur Inselanlage.

Für wen sich der Aufpreis lohnt

Ehrlich gerechnet: In Deutschland liegt die durchschnittliche Ausfallzeit im Stromnetz bei rund einer Viertelstunde pro Jahr. Rein wirtschaftlich amortisiert sich eine Ersatzstromlösung deshalb praktisch nie. Es geht um Absicherung, nicht um Rendite. Sinnvoll ist der Aufpreis vor allem, wenn:

  • Sie in einer Region mit dokumentiert häufigen oder langen Ausfällen wohnen
  • medizinische Geräte, Heizungssteuerung oder eine Tiefkühlkette abgesichert werden müssen
  • Sie im Homeoffice arbeiten und Ausfälle direkt Geld kosten
  • ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Pumpe oder eine Heizungsanlage nicht ausfallen darf
  • Ihnen das Gefühl der Absicherung schlicht diesen Betrag wert ist, was eine völlig legitime Entscheidung ist

Wenn Sie ohnehin einen Speicher planen, ist der Zeitpunkt günstig: Die Mehrkosten sind bei der Erstinstallation deutlich niedriger als bei späterer Nachrüstung. Wer bereits eine Anlage besitzt, sollte das Thema direkt bei der Speicher-Nachrüstung mit ansprechen.

Diese Fragen gehören ins Angebot

  1. Ist es Notstrom oder Ersatzstrom? Die Begriffe werden im Vertrieb oft vermischt.
  2. Erfolgt die Umschaltung automatisch oder manuell?
  3. Ein- oder dreiphasig, und welche Verbraucher laufen konkret weiter?
  4. Lädt die PV-Anlage im Inselbetrieb den Speicher nach?
  5. Wie viel Kapazität wird für den Notfall reserviert und lässt sich das einstellen?
  6. Was kostet die Umschalteinrichtung inklusive Elektroarbeiten am Zählerschrank?

Diese sechs Punkte trennen zuverlässig die durchdachten Angebote von den Prospektversprechen. Wie Sie Angebote insgesamt vergleichbar machen, zeigt die Übersicht Photovoltaikanlage: Kosten.


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