Volleinspeisung oder Eigenverbrauch: Welches Modell sich 2026 rechnet

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Beim Blick in die EEG-Vergütungstabelle stutzen viele Hausbesitzer: Für Volleinspeisung gibt es deutlich mehr Geld pro Kilowattstunde als für Überschusseinspeisung. Warum entscheiden sich dann fast alle für den Eigenverbrauch? Die Frage Volleinspeisung oder Eigenverbrauch lässt sich mit den aktuellen Sätzen sauber durchrechnen, und genau das tun wir hier. Inklusive der Fälle, in denen die Volleinspeisung tatsächlich die bessere Wahl ist.

Die kurze Antwort

Bis 10 kWp gilt ab dem 1. August 2026: 7,70 Cent pro Kilowattstunde bei Teileinspeisung (Eigenverbrauchsmodell), 12,22 Cent bei Volleinspeisung. Trotz des höheren Satzes gewinnt in den meisten Einfamilienhäusern der Eigenverbrauch, denn jede selbst verbrauchte Kilowattstunde spart rund 25 bis 31 Cent Netzstrom und ist damit zwei- bis viermal so viel wert wie jede vergütete. Volleinspeisung lohnt sich vor allem bei großem Dach und sehr kleinem Stromverbrauch, etwa auf Scheunen, Nebengebäuden oder bei selten bewohnten Häusern. Ein Wechsel zwischen beiden Modellen ist jedes Jahr möglich, die Entscheidung ist also nicht für 20 Jahre zementiert.

Die beiden Modelle im Überblick

Bei der Teileinspeisung (Eigenverbrauchsmodell) verbrauchen Sie Ihren PV-Strom zuerst selbst, nur der Überschuss geht ins Netz und wird mit 7,70 Cent vergütet. Bei der Volleinspeisung speisen Sie die komplette Erzeugung ein und erhalten dafür 12,22 Cent, dürfen den Strom aber nicht selbst nutzen und kaufen Ihren Haushaltsstrom weiterhin komplett beim Versorger.

Der höhere Volleinspeise-Satz ist kein Geschenk, sondern ein Ausgleich: Wer nichts selbst verbraucht, hat keinen Spareffekt beim Strombezug, und genau der ist heute der wirtschaftliche Kern einer Photovoltaikanlage.

Die Rechnung: 10 kWp im Einfamilienhaus

Nehmen wir eine typische 10-kWp-Anlage mit rund 9.500 Kilowattstunden Jahresertrag und einen Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Verbrauch und einem Strompreis von 30 Cent.

Variante Volleinspeisung: 9.500 Kilowattstunden mal 12,22 Cent ergeben etwa 1.160 Euro pro Jahr. Der Haushaltsstrom wird weiter voll eingekauft.

Variante Eigenverbrauch ohne Speicher: Ohne Speicher liegt die Eigenverbrauchsquote typischerweise bei rund 30 Prozent. Etwa 2.850 Kilowattstunden ersetzen Netzstrom (rund 855 Euro gespart), rund 6.650 Kilowattstunden werden mit 7,70 Cent vergütet (etwa 512 Euro). Zusammen rund 1.370 Euro pro Jahr.

Variante Eigenverbrauch mit Speicher: Mit einem passend dimensionierten Speicher steigt der Eigenverbrauch auf 60 bis 70 Prozent. Bei 60 Prozent ersetzen 5.700 Kilowattstunden Netzstrom (1.710 Euro), 3.800 Kilowattstunden werden vergütet (etwa 293 Euro). Zusammen rund 2.000 Euro pro Jahr, dem stehen allerdings die Speicherkosten gegenüber. Ob die Zusatzinvestition aufgeht, hängt von Preis und Dimensionierung ab, mehr dazu auf unserer Seite Photovoltaik mit Speicher.

Das Muster ist klar: Schon ohne Speicher schlägt der Eigenverbrauch die Volleinspeisung, und je höher Ihr Verbrauch und Ihr Strompreis, desto deutlicher. Wer mit Grundversorgungstarifen um 40 Cent rechnet, kommt auf noch größere Abstände.

Für wen Volleinspeisung trotzdem passt

Es gibt Konstellationen, in denen die Rechnung kippt, und die sollte man ehrlich benennen:

  • Großes Dach, kleiner Verbrauch: Wer 20 oder 30 kWp aufs Dach bekommt, aber nur 2.000 Kilowattstunden verbraucht, kann den Strom schlicht nicht selbst nutzen. Hier bringt die Volleinspeisung planbare Erträge aus der vollen Dachfläche.
  • Nebengebäude ohne eigenen Verbrauch: Scheunen, Garagen oder Carports ohne nennenswerten Strombedarf sind klassische Volleinspeiser-Dächer.
  • Selten genutzte Gebäude: Ferienhäuser oder leerstehende Objekte mit minimalem Verbrauch.
  • Kombination beider Modelle: Es ist zulässig, zwei getrennte Anlagen zu betreiben, eine für den Eigenverbrauch und eine als Volleinspeiser, mit getrennter Messung. Das lohnt sich vor allem bei sehr großen Dächern und sollte von einem Fachbetrieb durchgerechnet werden.

Für das normale bewohnte Einfamilienhaus mit 3.500 bis 5.000 Kilowattstunden Verbrauch gilt dagegen fast immer: Eigenverbrauch gewinnt. Erst recht, wenn künftig eine Wärmepumpe oder ein E-Auto dazukommt und den Verbrauch nach oben treibt.

Der Wechsel ist jährlich möglich

Ein Punkt, der oft untergeht: Die Wahl zwischen Volleinspeisung und Teileinspeisung gilt nicht für die gesamte Laufzeit. Sie können jeweils zum Jahreswechsel wechseln, dazu müssen Sie das gewünschte Modell vor Beginn des neuen Kalenderjahres beim Netzbetreiber melden (Stichtag ist der 1. Dezember des Vorjahres). Wer heute volleinspeist und in zwei Jahren eine Wärmepumpe einbaut, kann dann problemlos auf Eigenverbrauch umstellen. Wichtig ist nur, dass die Anlagentechnik beides hergibt, was ein guter Planer von Anfang an berücksichtigt.

Der Vergütungssatz selbst bleibt dabei der Ihres Inbetriebnahmejahres, garantiert für 20 Jahre. Was sich für Neuanlagen ab 2027 ändern könnte, haben wir im Beitrag zur EEG-Reform 2027 eingeordnet.

Worauf Sie bei Angeboten achten sollten

Ein seriöses Angebot rechnet Ihnen beide Modelle mit Ihren tatsächlichen Verbrauchsdaten durch, statt pauschal das größere System zu verkaufen. Misstrauisch sollten Sie werden, wenn ein Anbieter die Volleinspeisung mit dem höheren Satz bewirbt, ohne den entgangenen Eigenverbrauch gegenzurechnen, oder wenn er Ihnen zum Eigenverbrauchsmodell einen deutlich überdimensionierten Speicher andienen will. Wie Sie ein Angebot Punkt für Punkt kontrollieren, zeigt unser Ratgeber Photovoltaik-Angebot prüfen.


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