Photovoltaik-Versicherung: Was wirklich sinnvoll ist und was Sie sich sparen können

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Eine Photovoltaikanlage ist eine Investition von 10.000 bis 20.000 Euro, die 20 bis 30 Jahre lang draußen auf dem Dach der Witterung ausgesetzt ist. Dass man sie versichern sollte, leuchtet ein. Weniger klar ist, welche Photovoltaik-Versicherung Sie tatsächlich brauchen, ob die bestehende Wohngebäudeversicherung reicht und welche Zusatzbausteine Verkäufer Ihnen nur deshalb anbieten, weil sie daran mitverdienen. Hier die nüchterne Sortierung.

Die kurze Antwort

Sie haben zwei Wege: die Erweiterung der bestehenden Wohngebäudeversicherung oder eine separate Photovoltaik-Versicherung (Allgefahrenpolice). Beides kostet je nach Anlage und Anbieter typischerweise 100 bis 200 Euro pro Jahr. Abgedeckt sein müssen mindestens Sturm, Hagel, Blitzschlag, Überspannung, Feuer, Diebstahl und Tierbiss (Marder), sinnvoll ergänzt durch Ertragsausfall nach einem Schaden. Eine Betreiberhaftpflicht ist meist über die Privathaftpflicht abgedeckt, sollte aber schriftlich bestätigt werden. Überflüssig sind dagegen teure Garantieverlängerungen und Wartungs-Abos, die Ihnen als „Versicherung" verkauft werden.

Weg 1: Die Wohngebäudeversicherung erweitern

Der einfachste Weg ist meist die Erweiterung Ihrer bestehenden Wohngebäudeversicherung. Wichtig: Die Anlage ist dort nicht automatisch mitversichert, auch wenn viele Hausbesitzer das annehmen. Sie müssen den Versicherer über die neue Anlage informieren, und dieser nimmt sie entweder in die Versicherungssumme auf oder verlangt einen Zusatzbaustein.

Vorteile: eine Police, ein Ansprechpartner, oft der günstigere Beitrag, und im Schadenfall keine Zuständigkeitsdiskussion zwischen zwei Versicherern, etwa wenn nach einem Sturm Dach und Anlage gleichzeitig beschädigt sind.

Der Haken: Der Leistungsumfang ist häufig auf die klassischen Gebäudegefahren begrenzt, also Feuer, Sturm ab Windstärke 8, Hagel und Leitungswasser. Typische PV-Schäden wie Überspannung, Marderbiss, Konstruktionsfehler oder Bedienfehler sind dann nicht automatisch dabei. Was Sie im Vertrag konkret prüfen sollten, haben wir im Beitrag PV in der Wohngebäudeversicherung zusammengestellt.

Weg 2: Die separate Photovoltaik-Versicherung

Eine eigenständige PV-Police ist in der Regel eine Allgefahrendeckung: Versichert ist alles, was nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist. Das dreht die Beweislast zu Ihren Gunsten und deckt genau die Lücken, die eine Gebäudepolice offenlässt.

Sinnvoll ist die separate Police vor allem, wenn Ihre Wohngebäudeversicherung die Anlage nur mit knappen Einschlüssen oder gar nicht aufnimmt, wenn Sie eine größere Anlage mit Speicher betreiben oder wenn Ihnen ein Ertragsausfallschutz wichtig ist.

Was abgedeckt sein sollte

Unabhängig vom gewählten Weg gehört das in den Vertrag:

  • Sturm und Hagel: die häufigste Schadenursache. Achten Sie darauf, ab welcher Windstärke gezahlt wird.
  • Blitzschlag und Überspannung: Nicht nur der direkte Einschlag, auch indirekte Überspannung zerstört Wechselrichter. Der Wechselrichter ist die teuerste Verschleißkomponente, ein Austausch kostet 1.500 bis 3.000 Euro.
  • Feuer und Explosion
  • Diebstahl und Vandalismus: relevant vor allem bei Freiflächen, Carports und Nebengebäuden.
  • Tierbiss: Marder an DC-Leitungen sind ein realer Klassiker und oft nur mit ausdrücklichem Einschluss gedeckt.
  • Bedienungs- und Konstruktionsfehler, Material- und Montagefehler, soweit nicht die Gewährleistung greift.
  • Ertragsausfall: zahlt die entgangene Einspeisevergütung und ersparte Stromkosten, solange die Anlage nach einem Schaden stillsteht. Sinnvoll, aber kein Muss bei kleinen Anlagen. Prüfen Sie die Karenzzeit und den Tagessatz.
  • Kosten für Reparaturnebenkosten: Gerüst, Kran, Entsorgung, De- und Remontage. Diese Positionen machen im Schadenfall schnell mehr aus als das Bauteil selbst.

Betreiberhaftpflicht: meist schon vorhanden

Als Anlagenbetreiber haften Sie, wenn von Ihrer Anlage ein Schaden ausgeht, etwa wenn ein Modul vom Dach fällt und ein Auto trifft. Bei Anlagen auf dem selbst genutzten Einfamilienhaus ist dieses Risiko in aller Regel über die Privathaftpflicht- oder Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung abgedeckt.

Trotzdem gilt: Lassen Sie sich das schriftlich bestätigen, gerade wenn Sie einspeisen und damit formal auch Strom verkaufen. Manche älteren Policen schließen gewerbliche Tätigkeiten aus. Ein kurzer Brief oder eine E-Mail an den Versicherer genügt, und die Antwort gehört in Ihre Anlagenunterlagen. Eine separate Betreiberhaftpflicht brauchen Sie nur, wenn Ihr Versicherer die Deckung ausdrücklich verneint.

Was Sie sich sparen können

Nicht alles, was rund um die Anlage als Absicherung verkauft wird, ist sein Geld wert:

  • Garantieverlängerungen des Installateurs: Sie sind nur so viel wert wie der Betrieb, der dahintersteht. Nach einer Insolvenz sind reine Händlergarantien wertlos, Herstellergarantien dagegen bleiben bestehen. Warum das ein wichtiger Unterschied ist, lesen Sie im Beitrag PV-Fachbetrieb insolvent.
  • Teure Wartungs-Abos, die als Versicherung getarnt sind: Wartung ist sinnvoll (100 bis 350 Euro pro Jahr), ersetzt aber keine Police und sollte nicht als Pflichtpaket im Kaufvertrag stehen.
  • Doppeldeckungen: Wer die Anlage in der Gebäudepolice eingeschlossen hat und zusätzlich eine Allgefahrenpolice abschließt, zahlt zweimal für dieselbe Gefahr. Entscheiden Sie sich für einen Weg.
  • Überzogene Versicherungssummen: Versichert wird der Wiederbeschaffungswert der Anlage, nicht der Listenpreis samt Vertriebsmarge.

Praxis-Tipps für den Abschluss

Melden Sie die Anlage dem Versicherer vor der Inbetriebnahme, spätestens unmittelbar danach. Halten Sie Anlagenleistung in kWp, Inbetriebnahmedatum, Rechnungsbetrag und Komponentenliste bereit. Bewahren Sie Rechnung, Abnahmeprotokoll und Fotos der fertigen Anlage auf, das beschleunigt jede Schadenregulierung erheblich. Und vergleichen Sie mindestens zwei Angebote, die Beitragsunterschiede bei gleichem Leistungsumfang sind erheblich.

Ein guter Fachbetrieb weist Sie beim Übergabetermin von sich aus auf die Versicherungsmeldung hin und übergibt Ihnen eine vollständige Dokumentation. Wer das nicht tut, arbeitet auch sonst oft unsauber, weitere Kriterien finden Sie unter Seriöse PV-Fachbetrieb erkennen.


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