Die Photovoltaik-Beratung ist der Moment, in dem sich entscheidet, ob Sie eine passende Anlage bekommen oder ein Paket von der Stange. Wer zwei Termine erlebt hat, merkt den Unterschied sofort: Der eine steigt aufs Dach, misst nach und stellt Fragen zu Ihrem Verbrauch. Der andere zeigt nach 20 Minuten am Laptop ein Satellitenbild, ein Standardpaket und einen Rabatt, der nur heute gilt. Hier lesen Sie, was ein seriöser Termin enthält, welche Fragen Sie stellen sollten und wann Sie besser weitersuchen.
Die kurze Antwort
Eine seriöse Photovoltaik-Beratung findet vor Ort statt und dauert typischerweise ein bis zwei Stunden. Dazu gehören Dachaufmaß, Prüfung von Dachhaut und Statik, Verschattungsanalyse, ein Blick in den Zählerschrank und die Auswertung Ihres Stromverbrauchs über mehrere Jahre, dazu die Planung künftiger Verbraucher wie Wärmepumpe oder Wallbox. Eine reine Planung per Satellitenbild ohne Ortstermin ist ein Warnsignal, weil sie genau die Positionen ausblendet, die später als Nachträge auftauchen. Die Beratung sollte kostenlos und unverbindlich sein, und am Ende steht ein schriftliches Angebot, keine Unterschrift.
Was ein guter Vor-Ort-Termin umfasst
Verbraucherzentralen nennen dieselben Punkte, die auch erfahrene Betriebe abarbeiten. Nutzen Sie die Liste als Mitschrift während des Termins:
- Dachaufmaß: Tatsächliche Maße, Dachneigung, Eindeckung, Zustand der Ziegel. Ein Satellitenbild zeigt keine gebrochenen Ziegel und keine morsche Lattung.
- Statik und Dachhaut: Sparrenabstand, Tragfähigkeit, Alter der Eindeckung. Wenn das Dach in fünf Jahren ohnehin neu muss, gehört das jetzt auf den Tisch, nicht nach der Montage.
- Verschattungsanalyse: Bäume, Nachbargebäude, Gauben, Schornsteine, Antennen. Ein guter Planer misst den Horizont und rechnet den Ertragsverlust, statt pauschal Optimierer zu verkaufen.
- Blick in den Zählerschrank: Hier entscheidet sich, ob eine Erneuerung nötig wird, ein Posten von 1.500 bis 3.000 Euro. Wer nicht in den Keller geht, kann keinen belastbaren Festpreis nennen.
- Verbrauchsanalyse über mehrere Jahre: Legen Sie zwei bis drei Stromabrechnungen bereit. Die Auslegung von Anlage und Speicher hängt an Ihrem echten Verbrauch, nicht an einer Faustformel.
- Zukunftsplanung: Wärmepumpe, E-Auto, Wallbox, geplanter Anbau, Auszug der Kinder. Wer eine Wärmepumpe plant, sollte die Anlage größer auslegen, ungefähr 10 kWp sind hier eine gängige Empfehlung.
- Kabelwege und Aufstellort: Wo kommen Wechselrichter und Speicher hin, wie lang werden die Leitungen, sind Durchbrüche nötig?
Am Ende sollte der Berater Ihnen erklären können, warum er genau diese Anlagengröße vorschlägt, und was passiert, wenn Sie kleiner oder größer bauen.
Gute Fragen an den Berater
Sie müssen kein Elektriker sein, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Diese Fragen reichen:
- „Montieren Sie mit eigenen Monteuren oder mit Subunternehmern?" Eigenmontage bedeutet klare Verantwortung. Sub-Sub-Ketten sind ein häufiger Grund für Montagepfusch.
- „Welche Eigenverbrauchsquote erreiche ich realistisch, mit und ohne Speicher?" Erwartbar sind rund 30 Prozent ohne Speicher und 60 bis 70 Prozent mit passendem Speicher. Wer 100 Prozent Autarkie verspricht, verkauft ein Märchen.
- „Wie viel nutzbare Kilowattstunden hat der Speicher?" Nicht die Bruttokapazität zählt. Überdimensionierte Speicher sind ein klassisches Margeninstrument.
- „Was kostet die Anlage pro kWp?" Rechnen Sie selbst nach: Gesamtpreis geteilt durch Anlagenleistung. Der Marktdurchschnitt liegt laut Fraunhofer ISE bei rund 1.015 Euro pro kWp.
- „Sind Gerüst, Zählerschrank, Netzanmeldung und Inbetriebnahme im Preis?" Fehlende Posten sind die häufigste Quelle für Nachträge, siehe PV-Angebot mit Festpreis.
- „Wie sieht der Zahlungsplan aus?" Kleine oder keine Anzahlung, Zahlung nach Baufortschritt, spürbarer Einbehalt bis zur Abnahme.
- „Welche Garantien kommen vom Hersteller, welche von Ihnen?" Nur Herstellergarantien überstehen eine Insolvenz.
- „Wie lange gibt es Ihren Betrieb, und kann ich zwei Referenzanlagen in der Nähe sehen?"
- „Wie lange dauert es von der Beauftragung bis zur Inbetriebnahme?" Realistisch sind 3 bis 6 Monate, mehr dazu unter Ablauf und Dauer.
Warnsignale während der Beratung
Ein Termin, der so abläuft, sollte Sie skeptisch machen:
- Planung ausschließlich per Satellitenbild oder Videocall, ohne Angebot eines Ortstermins. Für eine erste Grobeinschätzung ist das legitim, als alleinige Grundlage für ein verbindliches Angebot nicht.
- Abschlussdruck und Zeitfenster: „Der Preis gilt nur heute", „das Kontingent ist fast weg". Ein Angebot, das morgen nicht mehr gilt, war heute schon zu teuer.
- Unterschrift am Küchentisch am selben Abend. Bei Verträgen außerhalb von Geschäftsräumen haben Sie zwar 14 Tage Widerrufsrecht, aber die beste Lösung ist, gar nicht erst zu unterschreiben. Wie ein Widerruf funktioniert, steht im Beitrag PV-Vertrag widerrufen.
- Vage Komponentenangaben: „hochwertige Markenmodule" statt Hersteller und Typ.
- Unrealistische Versprechen: Amortisation in unter sieben Jahren, garantierte Unabhängigkeit vom Netz, „Stromkosten auf null".
- Vorkasse oder hohe Anzahlung vor jeder Leistung.
- Kein Interesse an Ihren Stromabrechnungen. Wer nicht wissen will, was Sie verbrauchen, plant nicht, sondern verkauft.
Weitere Kriterien für die Anbieterauswahl haben wir unter Seriöse PV-Fachbetrieb erkennen gesammelt.
Wie viele Beratungen sind sinnvoll?
Verbraucherschützer empfehlen einhellig mindestens drei Angebote, jeweils mit Vor-Ort-Termin. Der Aufwand von zwei bis drei Stunden lohnt sich: Bei identischer 10-kWp-Anlage liegen zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot regelmäßig mehrere tausend Euro. Mehr als drei bis vier Termine bringen dagegen selten neue Erkenntnisse und kosten nur Zeit.
Wichtig ist, dass die Angebote vergleichbar sind. Geben Sie allen Betrieben dieselben Eckdaten mit: Verbrauch der letzten drei Jahre, geplante Zusatzverbraucher, gewünschte Speichergröße oder ausdrücklich die Bitte, Varianten mit und ohne Speicher zu rechnen. Eine Einordnung, was das jeweils kostet, finden Sie auf unserer Seite Photovoltaikanlage Kosten.
Drei Vor-Ort-Termine, ein Vergleich
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