Wer sich zum ersten Mal mit Photovoltaik beschäftigt, stolpert innerhalb weniger Minuten über kWp, kWh, Wp und kW. Die Begriffe sehen ähnlich aus, bedeuten aber völlig Verschiedenes, und genau das nutzen unseriöse Anbieter gelegentlich aus. Nach diesem Beitrag verwechseln Sie die beiden Größen nie wieder und können jedes Angebot richtig lesen.
Die kurze Antwort
kWp (Kilowatt Peak) ist eine Leistungsangabe, kWh (Kilowattstunde) eine Energiemenge. Das kWp sagt, wie viel Ihre Anlage unter Standardbedingungen maximal auf einmal leisten kann, das kWh, wie viel Strom sie über einen Zeitraum tatsächlich produziert oder Sie verbraucht haben. Die Brücke zwischen beiden ist der spezifische Ertrag: In Deutschland liefert 1 kWp rund 900 bis 1.200 kWh im Jahr. Merksatz: kWp steht im Angebot, kWh steht auf der Stromrechnung.
kWp: die Leistung Ihrer Anlage
Das kleine „p" steht für Peak, also Spitze. Es bezeichnet die Leistung, die eine Anlage unter genormten Laborbedingungen erbringt: 1.000 Watt Einstrahlung je Quadratmeter, 25 Grad Modultemperatur, definiertes Lichtspektrum. Diese Standardtestbedingungen sind nötig, damit sich Module verschiedener Hersteller überhaupt vergleichen lassen.
In der Praxis erreicht Ihre Anlage diesen Wert selten, weil die Module im Sommer deutlich wärmer als 25 Grad werden und die Einstrahlung schwankt. Realistisch sind an guten Tagen 70 bis 85 Prozent der Nennleistung. Das ist kein Mangel, sondern eingepreist: Die Ertragswerte von 900 bis 1.200 kWh je kWp berücksichtigen das bereits.
Das kWp ist die zentrale Bezugsgröße im Markt: Anlagengrößen, Preise, Fördergrenzen und Steuerregeln hängen daran. Die 0 Prozent Mehrwertsteuer und die Einkommensteuerbefreiung gelten für Anlagen bis 30 kWp, die Einspeisevergütungssätze staffeln sich ab 10 kWp.
Wp: die Leistung eines einzelnen Moduls
Wp (Watt Peak) ist dieselbe Größe, nur für ein einzelnes Modul und in der kleineren Einheit. 1.000 Wp ergeben 1 kWp. Moderne Module für Wohnhäuser leisten 440 bis 480 Wp, Sie brauchen also gut 2 Module je kWp.
Rechenbeispiel: 20 Module à 460 Wp ergeben 9.200 Wp, also 9,2 kWp. Mehr zur Ableitung von Modulzahl und Anlagengröße im Beitrag Wie viele PV-Module brauche ich? und auf der Seite PV-Anlagengrößen.
kWh: die Energiemenge
Eine Kilowattstunde ist die Energie, die ein Gerät mit 1 kW Leistung in einer Stunde umsetzt. Sie ist die Einheit, in der Sie Strom kaufen (2026 rund 25 bis 31 Cent je kWh) und in der Sie Strom einspeisen (7,70 Cent je kWh bei Teileinspeisung, Stand August 2026).
Alltagsbeispiele zur Einordnung:
| Vorgang | Energiemenge |
|---|---|
| Wasserkocher, 1 Füllung | ca. 0,1 kWh |
| Waschmaschine, 1 Waschgang | ca. 0,7 bis 1,2 kWh |
| Kühlschrank, 1 Jahr | ca. 150 bis 250 kWh |
| E-Auto, 100 km | ca. 15 bis 20 kWh |
| Vierpersonenhaushalt, 1 Jahr | ca. 3.500 bis 4.500 kWh |
Die Brücke: kWh je kWp
Die Verbindung beider Größen ist der spezifische Ertrag. Er sagt, wie viele Kilowattstunden ein Kilowatt Peak im Jahr produziert:
Jahresertrag in kWh = Anlagengröße in kWp mal spezifischer Ertrag
In Deutschland liegt der spezifische Ertrag bei 900 bis 1.200 kWh je kWp und Jahr, im Norden weniger, im Süden mehr. Eine 9,2-kWp-Anlage in Nordrhein-Westfalen liefert also grob 9.200 kWh, in Bayern eher 10.500 kWh. Die regionalen Werte stehen im Beitrag Ertrag pro kWp, den vollständigen Rechenweg mit Korrekturfaktoren zeigt der Beitrag PV-Ertrag berechnen.
Typische Verwechslungen und wo sie teuer werden
„Die Anlage hat 10 kWh." Gemeint sind fast immer 10 kWp. Bei Speichern ist es umgekehrt: Ein Speicher wird in kWh angegeben, weil er eine Energiemenge fasst, nicht Leistung erzeugt. Ein 10-kWh-Speicher an einer 10-kWp-Anlage ist eine gängige Kombination, aber eben zwei verschiedene Größen.
Nutzbare gegen nominale Speicherkapazität. Bei Speichern müssen Sie zusätzlich unterscheiden, ob die angegebenen kWh brutto (nominal) oder nutzbar sind. Nutzbar sind meist 90 bis 95 Prozent. Im Angebot muss die nutzbare Kapazität stehen, sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen. Mehr dazu auf der Seite Photovoltaik mit Speicher.
kWp gegen kW beim Wechselrichter. Der Wechselrichter wird in kW angegeben und ist oft leicht kleiner dimensioniert als die Modulleistung in kWp, etwa 8 kW Wechselrichter an 9,2 kWp Modulen. Das ist gewollt und kein Fehler, weil die Spitzenleistung ohnehin selten anliegt.
Preisangaben. Der Preis pro kWp ist die einzige sinnvolle Vergleichsgröße zwischen Angeboten. Wer nur Gesamtpreise vergleicht, vergleicht unterschiedlich große Anlagen. Rechnen Sie also immer: Gesamtpreis geteilt durch kWp. Die Marktspanne 2026 liegt bei etwa 900 bis 1.500 Euro je kWp, siehe Photovoltaik: Preis pro kWp.
Mini-Glossar
- Wp / kWp: Nennleistung unter Standardtestbedingungen. Modul: Wp. Anlage: kWp.
- kW: Leistung im Betrieb, etwa beim Wechselrichter oder bei der Wallbox.
- kWh: Energiemenge über die Zeit. Einheit auf Stromrechnung und Einspeiseabrechnung.
- kWh je kWp: spezifischer Ertrag, die Umrechnungsbrücke, 900 bis 1.200 in Deutschland.
- Eigenverbrauchsquote: Anteil des PV-Stroms, den Sie selbst nutzen. Ohne Speicher 25 bis 35 Prozent, mit Speicher 60 bis 70 Prozent.
- Autarkiegrad: Anteil Ihres Verbrauchs, den die Anlage deckt. Nicht mit der Eigenverbrauchsquote verwechseln.
- Degradation: jährlicher Leistungsverlust der Module, 0,3 bis 1 Prozent.
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