Die EEG-Vergütung läuft 20 Jahre plus das Inbetriebnahmejahr. Für Anlagen, die um die Jahrtausendwende und in den Boomjahren danach ans Netz gingen, ist dieser Zeitraum abgelaufen oder steht kurz bevor. Viele Betreiber hören dann von ihrem Netzbetreiber und fragen sich: abschalten, abbauen, weitermachen? Die kurze Version vorweg: Abbauen ist fast immer die schlechteste Idee. Hier sind die realistischen Optionen.
Die kurze Antwort
Nach 20 Jahren endet nur die Förderung, nicht die Anlage. Module verlieren durch Degradation 0,3 bis 1 Prozent Leistung pro Jahr, eine Ü20-Anlage liefert also meist noch 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung und läuft technisch oft weit über 30 Jahre. Vier Optionen stehen zur Wahl: Weiterbetrieb mit Einspeisung zum Marktwert (aktuell wenige Cent pro Kilowattstunde), Umstellung auf Eigenverbrauch, Speicher nachrüsten oder Repowering mit neuen Modulen. Am meisten holt der Eigenverbrauch heraus, weil jede selbst genutzte Kilowattstunde rund 25 bis 31 Cent Netzstrom ersetzt, während die Einspeisung nur noch einen Bruchteil bringt.
Was zum Stichtag tatsächlich passiert
Die Vergütung endet mit dem 31. Dezember des zwanzigsten Jahres nach Inbetriebnahme. Ihre Anlage bleibt technisch unverändert am Netz, Sie verlieren lediglich den garantierten Vergütungssatz. Für ausgeförderte Anlagen ist gesetzlich eine Auffanglösung vorgesehen: Der Netzbetreiber nimmt den Strom weiter ab und vergütet ihn mit dem Jahresmarktwert Photovoltaik abzüglich einer Vermarktungspauschale. Das sind je nach Börsenjahr grob 3 bis 7 Cent pro Kilowattstunde, deutlich weniger als früher, aber eben nicht null.
Was Sie tun sollten: Prüfen Sie das Anschreiben Ihres Netzbetreibers, klären Sie den künftigen Zählertyp (für Eigenverbrauch brauchen Sie einen Zweirichtungszähler) und aktualisieren Sie Ihre Angaben im Marktstammdatenregister, falls sich etwas ändert. Dazu mehr unter PV-Betreiberpflichten.
Option 1: Weiterbetrieb mit Einspeisung
Die bequemste Variante. Sie ändern nichts, der Strom geht wie bisher komplett ins Netz, der Netzbetreiber zahlt den Marktwert. Bei einer alten 5-kWp-Anlage mit rund 4.500 Kilowattstunden Jahresertrag ergibt das etwa 150 bis 300 Euro im Jahr. Davon gehen Versicherung und gelegentliche Reparaturen ab, unterm Strich bleibt wenig, aber es bleibt positiv.
Sinnvoll ist das, wenn die Anlage volleinspeisend verschaltet ist und Sie tagsüber ohnehin kaum Strom verbrauchen. Eine Alternative sind Direktvermarktungsangebote für Kleinanlagen: Rechnen Sie hier genau, Grundgebühren und Messkosten können den Vorteil aufzehren.
Option 2: Umstellung auf Eigenverbrauch
Die wirtschaftlich attraktivste Basisoption. Statt alles einzuspeisen, nutzen Sie den Strom zuerst selbst. Der Unterschied ist erheblich: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde spart je nach Tarif 25 bis 31 Cent, eine eingespeiste bringt vielleicht 5 Cent. Ohne Speicher erreichen Haushalte typischerweise 25 bis 35 Prozent Eigenverbrauch.
Notwendig sind dafür meist ein Zweirichtungszähler, eventuell eine Anpassung im Zählerschrank und je nach Alter der Anlage eine Prüfung, ob der alte Wechselrichter die Umstellung mitmacht. Die Umbaukosten liegen häufig im niedrigen vierstelligen Bereich und amortisieren sich bei normalem Verbrauch in wenigen Jahren. Lassen Sie sich das vom Fachbetrieb konkret durchrechnen, alte Anlagen sind sehr unterschiedlich verschaltet.
Bevor Sie investieren, lohnt ein ehrlicher Blick auf den Anlagenzustand: Wie hoch ist der spezifische Ertrag pro kWp heute im Vergleich zu früher? Wie alt ist der Wechselrichter? Wie das geht, steht im Ratgeber PV-Anlage überwachen.
Option 3: Speicher nachrüsten
Mit einem Batteriespeicher steigt der Eigenverbrauch von rund 30 auf 60 bis 70 Prozent. Bei Speicherpreisen von etwa 400 bis 700 Euro pro Kilowattstunde kostet ein 8- bis 10-kWh-Speicher inklusive Einbau grob 5.000 bis 8.000 Euro. Ob sich das bei einer Ü20-Anlage lohnt, hängt an drei Fragen:
- Wie viel liefert die Anlage noch? Eine 4-kWp-Anlage mit alter Modultechnik füllt einen großen Speicher nur an guten Tagen.
- Wie hoch ist der Haushaltsverbrauch? Unter 3.000 Kilowattstunden im Jahr rechnet sich ein Speicher selten.
- Wie lange läuft die Anlage noch? Ein Speicher hält 12 bis 15 Jahre, die Anlage sollte diesen Zeitraum mittragen.
Bei intakter Anlage, solidem Verbrauch und ohnehin nötigem Wechselrichtertausch ist die Kombination aus Hybridwechselrichter und Speicher oft die beste Lösung, weil beide Arbeiten in einem Termin erfolgen. Kalkulationsgrundlagen finden Sie unter Photovoltaik mit Speicher.
Option 4: Repowering, also neue Module aufs alte Dach
Repowering heißt: alte Module runter, moderne rauf. Der Reiz liegt in der Leistungsdichte. Wo vor 20 Jahren Module mit 200 bis 250 Watt lagen, bringen heutige Module 430 bis 480 Watt bei ähnlicher Fläche. Auf demselben Dach lassen sich damit oft doppelt so viele Kilowattpeak installieren.
Zu bedenken ist:
- Es ist eine Neuanlage. Die neue Anlage bekommt die aktuellen Vergütungssätze für 20 Jahre und profitiert vom Nullsteuersatz bis 30 kWp.
- Das Dach muss passen. Die Anlage soll erneut 25 bis 30 Jahre halten, ein 40 Jahre altes Dach sollte vorher saniert werden, siehe Dachsanierung und Photovoltaik.
- Entsorgung und Demontage kosten extra, alte Module gehören in die Elektroaltgeräte-Rücknahme.
- Alte Module weiterverwenden: Funktionsfähige Gebrauchtmodule finden Abnehmer, etwa für Gartenhäuser oder Inselanlagen. Verschenken statt verschrotten ist hier oft die sinnvollere Wahl.
Repowering lohnt sich vor allem bei kleinen alten Anlagen auf großen Dächern, bei ohnehin anstehender Dachsanierung und bei gestiegenem Verbrauch durch Wärmepumpe oder E-Auto.
Was wann sinnvoll ist: die kurze Entscheidungshilfe
- Anlage läuft gut, Dach gut, wenig Tagverbrauch: Weiterbetrieb mit Einspeisung, minimaler Aufwand.
- Anlage läuft gut, normaler Haushalt: Umstellung auf Eigenverbrauch, klarer Gewinn.
- Eigenverbrauch bereits umgestellt, Verbrauch über 3.500 kWh: Speicher nachrüsten prüfen.
- Kleine Anlage, viel freie Dachfläche, gestiegener Bedarf: Repowering rechnen lassen.
- Dach sanierungsbedürftig: Erst Dach, dann Entscheidung über die Anlage.
Lassen Sie sich in jedem Fall den Zustand der Altanlage bewerten, bevor Sie Geld investieren. Ein Fachbetrieb misst Isolationswiderstand und Strangleistung und sagt Ihnen, ob sich der Aufwand lohnt. Passende Betriebe finden Sie über unser Verzeichnis PV-Fachbetriebe. Was mit dem alternden Wechselrichter zu erwarten ist, lesen Sie unter Wechselrichter-Fehler.
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