Photovoltaikanlage: Wie viele Angebote sollten Sie einholen?

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Der erste Betrieb war freundlich, das Angebot klingt plausibel, warum also noch weitere anfragen? Weil Sie ein einzelnes Angebot schlicht nicht einordnen können: Bei identischen 10-kWp-Anlagen liegen am Markt bis zu 5.000 Euro zwischen den Anbietern. Wer für die Photovoltaikanlage mehrere Angebote einholt, kauft fast immer besser. Die Frage ist nur: wie viele, und wie vergleicht man sie richtig?

Die kurze Antwort

Holen Sie mindestens 3 Angebote ein, jeweils mit Vor-Ort-Termin. Das raten auch die Verbraucherzentralen. Vergleichen Sie die Angebote über den Preis pro kWp (Gesamtpreis ohne Speicher geteilt durch Anlagenleistung): Fair sind 2026 für Einfamilienhäuser 1.200 bis 1.900 Euro pro kWp, der Marktdurchschnitt liegt bei rund 1.015 Euro pro kWp. Vorsicht bei klassischen Leadportalen, die Ihre Daten an 5 bis 8 Firmen gleichzeitig verkaufen: Danach steht Ihr Telefon wochenlang nicht mehr still.

Warum 3 Angebote das Minimum sind

Mit einem Angebot haben Sie keinen Maßstab. Mit zweien wissen Sie bei einer großen Differenz nicht, welches der Ausreißer ist. Erst ab drei Angeboten erkennen Sie ein Muster: Liegen zwei bei 1.400 bis 1.500 Euro pro kWp und eines bei 2.100, ist klar, wer zu teuer ist. Mehr als vier oder fünf Angebote bringen dagegen kaum noch Erkenntnisgewinn, kosten aber viel Zeit: Jeder seriöse Anbieter will einen Termin, stellt Fragen und braucht Ihre Verbrauchsdaten. Drei bis vier gut vorbereitete Anfragen schlagen acht oberflächliche.

Der Vor-Ort-Termin als Qualitätsfilter

Wie ein Betrieb an die Planung herangeht, verrät mehr über ihn als jede Werbebroschüre. Ein Qualitätsbetrieb nimmt das Dach auf oder besichtigt es, prüft Dachhaut und Zählerschrank, analysiert die Verschattung, fragt nach Ihrem Stromverbrauch der letzten Jahre und nach Zukunftsplänen wie E-Auto oder Wärmepumpe. Wer Ihnen dagegen nach zwei Minuten am Telefon einen Festpreis per Satellitenbild nennt, kalkuliert Aufschläge oder Nachträge gleich mit ein. Nutzen Sie den Termin auch umgekehrt: Fragen Sie nach Referenzanlagen in der Nähe, nach eigener Montage statt Subunternehmern und nach dem Zahlungsplan. Woran Sie gute Betriebe noch erkennen, lesen Sie unter geprüfte PV-Fachbetriebe.

So machen Sie Angebote vergleichbar

Drei Angebote mit drei verschiedenen Modulherstellern, Speichergrößen und Leistungsumfängen sind erst einmal Äpfel und Birnen. So schaffen Sie eine gemeinsame Basis:

  1. Gleiche Anforderungen an alle: Nennen Sie jedem Betrieb dieselben Eckdaten (Verbrauch, Dachflächen-Wünsche, Speicher ja/nein, Wallbox geplant?).
  2. Preis pro kWp berechnen: Gesamtpreis minus Speicheranteil, geteilt durch kWp. Das ist Ihre wichtigste Vergleichszahl.
  3. Speicher getrennt vergleichen: über den Preis pro nutzbarer Kilowattstunde (üblich sind 400 bis 700 Euro pro kWh).
  4. Vollständigkeit abgleichen: Gerüst, Zählerschrank, Netzanmeldung, Inbetriebnahme, Monitoring. Fehlende Posten machen ein billiges Angebot schnell zum teuersten. Die ausführliche Checkliste dafür finden Sie im Ratgeber PV-Angebot prüfen.
  5. Tabelle bauen: Angebote in die Spalten, Positionen in die Zeilen. Danach ist meist auf einen Blick klar, welches Angebot wirklich vorn liegt.

Wichtig: Das günstigste Angebot ist nicht automatisch das beste. Garantien, Referenzen, Erreichbarkeit im Servicefall und ein fairer Zahlungsplan (Rest erst nach Inbetriebnahme) sind bei einer Anlage, die 25 bis 30 Jahre laufen soll, bares Geld wert. Und liegt ein Angebot weit über der fairen Spanne, helfen die 7 Warnsignale aus dem Artikel überteuerte Photovoltaikanlage erkennen.

Vorsicht bei klassischen Leadportalen

Der bequemste Weg zu mehreren Angeboten scheint das große Vergleichsportal zu sein. Genau hier ist Vorsicht angebracht: Viele Portale und Lead-Händler verkaufen Ihre Kontaktdaten an 5 bis 8 PV-Fachbetriebe gleichzeitig, teils an weitere Adresshändler. Die dokumentierten Folgen: Anruf-Fluten über Wochen, Callcenter mit regionalen Rufnummern, geplatzte Beratungstermine und ignorierte Löschaufforderungen. Die Bundesnetzagentur verhängt regelmäßig Bußgelder wegen unerlaubter Telefonwerbung, und Photovoltaik gehört dort zu den häufigsten Beschwerdethemen.

Prüfen Sie vor jeder Anfrage: An wie viele Firmen gehen meine Daten? Sind die Betriebe geprüft oder zahlt einfach jeder für den Kontakt? Und lässt sich die Einwilligung leicht widerrufen? Wir haben unser Modell bewusst als Gegenentwurf aufgebaut: maximal 3 Betriebe, alle vorab geprüft, keine Weitergabe darüber hinaus.

Der Zeitplan: Wann Sie anfragen sollten

Von der Anfrage bis zur laufenden Anlage vergehen meist 3 bis 6 Monate, inklusive Netzanmeldung und Zählertausch. Rechnen Sie für die Angebotsphase selbst 3 bis 6 Wochen ein: Terminvereinbarung, Vor-Ort-Termine, Ausarbeitung, Ihre Vergleichszeit. Wer 2026 noch die aktuelle Einspeisevergütung von 7,70 Cent für 20 Jahre sichern will, sollte die Anfragen deshalb nicht auf die lange Bank schieben.


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