"Die Preise fallen doch ständig, ich warte lieber noch ein Jahr." Diesen Satz hört man oft, und er klingt vernünftig. Die Photovoltaik-Preisentwicklung gibt ihm sogar teilweise recht: Anlagen sind heute so günstig wie nie. Trotzdem geht die Rechnung mit dem Warten in den meisten Fällen nicht auf. Hier sind die Zahlen, ohne Panikmache und ohne künstlichen Zeitdruck.
Die kurze Antwort
Der durchschnittliche Systempreis liegt 2026 bei rund 1.015 Euro pro kWp schlüsselfertig, das sind 4,25 Prozent weniger als im Vorjahr (Fraunhofer ISE). Wer ein weiteres Jahr wartet, spart also vielleicht 400 bis 500 Euro bei einer 10-kWp-Anlage, verliert aber rund 1.000 bis 1.700 Euro an entgangener Stromersparnis und bekommt eine niedrigere Einspeisevergütung. Die Preiskurve flacht zudem ab. Warten lohnt sich fast nur, wenn Ihr Dach ohnehin erst saniert werden muss.
Wie sich die Preise entwickelt haben
Photovoltaik hat eine beeindruckende Preisgeschichte hinter sich: Vor gut zehn Jahren kostete die schlüsselfertige Anlage noch über 1.800 Euro pro kWp, heute liegt der Durchschnitt bei etwa 1.015 Euro pro kWp, mit einer Marktspanne von 900 bis 1.500 Euro. Getrieben wurde der Verfall durch Skaleneffekte in der Modulproduktion, Überkapazitäten am Weltmarkt und seit 2023 durch die 0 Prozent Mehrwertsteuer für Anlagen bis 30 kWp. Auch Speicher sind stark im Preis gefallen: Aktuell kosten sie 400 bis 700 Euro pro nutzbarer Kilowattstunde, Details dazu im Artikel zu den Stromspeicher-Kosten.
Wichtig für die Einordnung: Der jüngste Rückgang von 4,25 Prozent ist deutlich flacher als die Sprünge früherer Jahre. Module machen nur noch einen kleinen Teil des Systempreises aus. Der größere Rest, also Montage, Elektrik, Gerüst und Handwerkerlöhne, wird eher teurer als billiger.
Was Warten konkret kostet: die Gegenrechnung
Nehmen wir eine 10-kWp-Anlage für 10.500 Euro und unterstellen optimistisch, dass die Preise noch einmal um 4 bis 5 Prozent fallen. Ersparnis durch Warten: rund 450 Euro.
Dagegen stehen die Kosten des Wartejahres:
- Entgangene Stromersparnis und Vergütung: je nach Verbrauchsprofil rund 1.000 bis 1.700 Euro pro Jahr, die Ihre Anlage nicht erwirtschaftet hat.
- Sinkende Einspeisevergütung: Aktuell gibt es 7,70 Cent pro kWh (Teileinspeisung bis 10 kWp), mit einer gesetzlichen Degression von 1 Prozent je Halbjahr. Der Satz, den Sie bei Inbetriebnahme haben, ist dann für 20 Jahre festgeschrieben. Wer später startet, schreibt einen niedrigeren Satz fest.
- EEG-Reform 2027: Nach aktuellem Stand sollen Neuanlagen ab dem 1. Januar 2027 rund 1 Cent pro kWh weniger Vergütung erhalten. Eine Inbetriebnahme 2026 sichert die heutigen Konditionen für zwei Jahrzehnte. Das ist ein sachliches Kalenderargument, kein "Nur heute"-Rabatt.
Unterm Strich: rund 450 Euro mögliche Ersparnis gegen 1.000 Euro und mehr an realen Nachteilen. Das Wartejahr ist in fast allen Szenarien ein Verlustgeschäft.
Warum die 4,25 Prozent nicht bei Ihnen ankommen müssen
Die Fraunhofer-Zahl ist ein Marktdurchschnitt. Zwischen einzelnen Angeboten für dieselbe Anlage liegen aber bis zu 5.000 Euro Differenz. Anders gesagt: Der Unterschied zwischen einem teuren und einem fairen Angebot ist etwa zehnmal so groß wie ein Jahr Preisentwicklung. Wer heute drei Angebote vergleicht, spart mehr als jeder, der auf die Preiskurve spekuliert. Welche Preise pro kWp aktuell fair sind, zeigt der Artikel Photovoltaik: Preis pro kWp.
Wann Warten tatsächlich sinnvoll ist
Ehrliche Einordnung statt Verkaufsdruck, denn es gibt legitime Gründe zu warten:
- Das Dach muss in den nächsten 5 bis 10 Jahren saniert werden. Dann erst sanieren, sonst zahlen Sie die De- und Remontage der Module doppelt.
- Ein Umbau steht an, etwa Wärmepumpe oder Anbau: Dann lohnt es sich, die Anlage gleich passend zu dimensionieren, das kann wenige Monate Verschiebung rechtfertigen.
- Die Finanzierung ist nicht solide. Eine PV-Anlage auf Pump ohne Rücklagen ist keine gute Idee, auch nicht bei fallenden Preisen.
Was dagegen kein guter Grund ist: auf einen Technologiesprung zu hoffen. Perowskit-Module und andere Innovationen sind seit Jahren "kurz vor dem Durchbruch", während heutige Module 25 bis 30 und mehr Jahre zuverlässig arbeiten und sich in 8 bis 13 Jahren amortisieren.
Preisentwicklung bei der Einspeisevergütung: die Richtung ist klar
Während die Anlagenpreise langsamer fallen, sinkt die Vergütung planmäßig weiter: 1 Prozent Degression je Halbjahr, dazu die geplante Kürzung durch die EEG-Reform 2027. Die Schere schließt sich also von beiden Seiten. Wer kauft, wenn beide Kurven für ihn günstig stehen, fährt am besten, und dieser Punkt ist eher heute als in zwei Jahren. Was das für die Gesamtrechnung bedeutet, zeigt der Artikel zur Photovoltaik-Amortisation.
Mehr sparen als die Preiskurve: mit dem richtigen Angebot
Statt auf 4 Prozent Preisrückgang zu warten, holen Sie sich den zehnmal größeren Hebel: den Vergleich mehrerer Angebote. Über unseren kostenlosen Angebotsvergleich für Photovoltaikanlagen erhalten Sie bis zu 3 Angebote geprüfter Fachbetriebe aus Ihrer Region. Die Fachbetriebe melden sich direkt bei Ihnen, maximal 3 geprüfte Betriebe, kostenlos und unverbindlich. So sichern Sie sich den fairen Preis zum heutigen Vergütungssatz.