Verkäufer versprechen gern Amortisationszeiten von unter 7 Jahren, skeptische Nachbarn reden von 20 Jahren. Beides ist meistens falsch. Die Amortisation einer Photovoltaikanlage lässt sich mit ein paar ehrlichen Annahmen in zehn Minuten selbst berechnen. Genau das machen wir in diesem Artikel, Schritt für Schritt und mit einem realistischen Beispiel.
Die kurze Antwort
Eine typische Photovoltaikanlage amortisiert sich in 8 bis 13 Jahren. Bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 und mehr Jahren bleiben danach viele Jahre mit fast kostenlosem Strom. Ein passend dimensionierter Speicher verkürzt die Amortisation um rund 3 Jahre, ein überteuerter Einkaufspreis verlängert sie dagegen deutlich. Wer mit unrealistisch hohen Strompreisen rechnet, rechnet sich die Anlage schön: Kalkulieren Sie lieber mit 25 bis 31 Cent pro Kilowattstunde.
Der Rechenweg in 4 Schritten
Die Amortisationszeit ist die Anschaffungssumme geteilt durch den jährlichen Vorteil. Der jährliche Vorteil besteht aus zwei Teilen: eingesparte Stromkosten durch Eigenverbrauch und Einspeisevergütung für den Überschuss.
Schritt 1: Anschaffungskosten ermitteln. Der durchschnittliche Systempreis liegt 2026 bei etwa 1.015 Euro pro kWp schlüsselfertig (Fraunhofer ISE), die Marktspanne reicht von 900 bis 1.500 Euro pro kWp. Was ein faires Angebot ausmacht, zeigt unsere Übersicht zu den Photovoltaikanlagen-Kosten.
Schritt 2: Jahresertrag schätzen. In Deutschland liefert 1 kWp je nach Region und Dachausrichtung etwa 900 bis 1.050 kWh pro Jahr.
Schritt 3: Eigenverbrauch und Einspeisung aufteilen. Ohne Speicher nutzen Sie typischerweise rund 30 Prozent des PV-Stroms selbst, mit Speicher 60 bis 70 Prozent. Der Rest wird eingespeist und mit 7,70 Cent pro kWh vergütet (Teileinspeisung bis 10 kWp, Stand August 2026, für 20 Jahre garantiert).
Schritt 4: Laufende Kosten abziehen. Wartung (100 bis 350 Euro pro Jahr), Versicherung (100 bis 200 Euro pro Jahr) und eine Rücklage für den Wechselrichter-Tausch nach 10 bis 15 Jahren (1.500 bis 3.000 Euro) gehören in jede ehrliche Rechnung.
Beispielrechnung: 10 kWp ohne Speicher
Eine 10-kWp-Anlage kostet rund 9.000 bis 12.000 Euro, wir rechnen mit 10.500 Euro. Sie erzeugt etwa 9.500 kWh pro Jahr. Bei 30 Prozent Eigenverbrauch nutzen Sie 2.850 kWh selbst und speisen 6.650 kWh ein.
- Ersparnis Eigenverbrauch: 2.850 kWh mal 28 Cent = rund 800 Euro
- Einspeisevergütung: 6.650 kWh mal 7,70 Cent = rund 510 Euro
- Abzüglich laufender Kosten von rund 300 Euro pro Jahr
Bleiben etwa 1.010 Euro Vorteil pro Jahr. 10.500 Euro geteilt durch 1.010 Euro ergibt eine Amortisation von rund 10,5 Jahren.
Beispielrechnung: 10 kWp mit 10-kWh-Speicher
Mit Speicher kostet das Gesamtsystem etwa 15.000 bis 17.000 Euro, wir rechnen mit 16.000 Euro. Der Eigenverbrauch steigt auf rund 65 Prozent, also 6.175 kWh, eingespeist werden 3.325 kWh.
- Ersparnis Eigenverbrauch: 6.175 kWh mal 28 Cent = rund 1.730 Euro
- Einspeisevergütung: 3.325 kWh mal 7,70 Cent = rund 260 Euro
- Abzüglich laufender Kosten von rund 300 Euro pro Jahr
Bleiben etwa 1.690 Euro pro Jahr. 16.000 Euro geteilt durch 1.690 Euro ergibt eine Amortisation von rund 9,5 Jahren. Wichtig: Das gilt nur bei korrekter Dimensionierung. Ein zu großer Speicher verlängert die Amortisation, weil die letzten Kilowattstunden Kapazität kaum noch genutzt werden. Mehr dazu auf unserer Seite Photovoltaik mit Speicher.
Die ehrliche Annahme beim Strompreis
Viele Musterrechnungen arbeiten noch mit 40 Cent pro Kilowattstunde. Das ist der Preis der Grundversorgung, nicht der Preis, den wechselwillige Haushalte zahlen. Bestandskunden zahlen im Schnitt rund 31,4 Cent, Neukundentarife liegen bei etwa 24,5 bis 26 Cent. Rechnen Sie deshalb konservativ mit 25 bis 28 Cent. Im Beispiel oben mit 25 Cent statt 28 Cent verlängert sich die Amortisation ohne Speicher auf rund 11,5 Jahre. Die Anlage lohnt sich dann immer noch, aber Sie treffen Ihre Entscheidung auf Basis realistischer Zahlen statt einer Verkäufer-Folie.
Was die Amortisation verkürzt oder verlängert
Verkürzend wirken: ein fairer Einkaufspreis nahe am Marktdurchschnitt, hoher Eigenverbrauch (Wärmepumpe, E-Auto, Homeoffice), gute Dachausrichtung ohne Verschattung und ein passend dimensionierter Speicher.
Verlängernd wirken: ein überteuertes Angebot (bei identischer Anlage liegen bis zu 5.000 Euro zwischen den Angeboten), Verschattung durch Bäume oder Gauben, sehr niedriger Stromverbrauch im Haushalt, ein überdimensionierter Speicher sowie die Degradation der Module von 0,3 bis 1 Prozent Leistungsverlust pro Jahr, die in Langfristrechnungen gehört.
Der Einkaufspreis ist dabei der größte Hebel: Wer 15.000 statt 10.500 Euro für dieselbe 10-kWp-Anlage zahlt, verlängert die Amortisation um mehrere Jahre, ohne eine einzige Kilowattstunde mehr zu ernten.
Wann sich die Rechnung nicht lohnt
Ehrlicherweise gibt es Fälle, in denen die Amortisation so lang wird, dass Sie besser verzichten oder erst andere Hausaufgaben machen: ein stark verschattetes Dach, ein sanierungsbedürftiges Dach (erst sanieren, dann PV) oder ein sehr geringer Stromverbrauch unter etwa 2.000 kWh pro Jahr ohne Aussicht auf E-Auto oder Wärmepumpe. Wie Sie die Gesamtrechnung über die Lebensdauer bewerten, lesen Sie im Artikel zur Photovoltaik-Rendite.
Amortisation mit echten Angeboten statt Schätzwerten rechnen
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