„Und was ist, wenn die Dinger nach 15 Jahren kaputt sind?" Das ist einer der häufigsten Einwände am Gartenzaun, und er ist berechtigt, denn eine Anlage muss sich über Jahrzehnte rechnen. Die gute Nachricht: PV-Module gehören zu den langlebigsten Bauteilen, die man auf ein Haus schrauben kann. Die ehrliche Ergänzung: Nicht alle Komponenten halten gleich lang, und wer das einplant, rechnet realistisch.
Die kurze Antwort
PV-Module halten in der Regel 25 bis 30 Jahre und oft deutlich länger. Sie gehen selten kaputt, sondern verlieren langsam Leistung: Die Degradation liegt bei 0,3 bis 1 Prozent pro Jahr, gute Module liegen am unteren Ende. Nach 25 Jahren liefern sie damit meist noch etwa 80 bis 90 Prozent der Anfangsleistung. Der Wechselrichter ist das kurzlebigste Bauteil und muss nach 10 bis 15 Jahren für 1.500 bis 3.000 Euro ersetzt werden. Batteriespeicher werden über Zyklen und Kalenderjahre bewertet, üblich sind Garantien über 10 Jahre. Eine Photovoltaikanlage ist damit ein Langfrist-Investment mit einem planbaren größeren Wartungsposten.
Was Module altern lässt
Module haben keine beweglichen Teile. Was sie altern lässt, sind Umwelteinflüsse über Jahrzehnte:
- Lichtinduzierte Degradation in den ersten Betriebsmonaten, ein einmaliger kleiner Leistungsverlust von etwa 1 bis 3 Prozent, den die Hersteller einkalkulieren.
- Thermische Wechselbelastung durch tägliche Erwärmung und Abkühlung, die auf Zellverbinder und Lötstellen wirkt.
- Feuchtigkeitseintrag über die Rückseite, vor allem bei Glas-Folie-Modulen relevant. Glas-Glas-Module sind hier im Vorteil, siehe Glas-Glas-Module.
- Mikrorisse durch Hagel, Schneelast oder unsachgemäßes Betreten während der Montage.
- Verschmutzung, die aber meist reversibel ist und bei ausreichender Dachneigung durch Regen weitgehend gelöst wird.
Praktisch heißt das: Anlagen aus den 1990er- und frühen 2000er-Jahren laufen vielerorts noch, teils mit über 80 Prozent ihrer Ursprungsleistung. Die 25 bis 30 Jahre sind eine konservative Planungsgröße, kein Verfallsdatum.
Degradation richtig einordnen
Rechnen Sie es einmal durch: Eine 10-kWp-Anlage mit rund 9.500 Kilowattstunden Jahresertrag verliert bei 0,4 Prozent Degradation im 20. Jahr etwa 7 bis 8 Prozent ihrer Leistung, liefert also noch rund 8.800 Kilowattstunden. Bei 1 Prozent Degradation wären es im 20. Jahr nur noch etwa 7.800 Kilowattstunden. Über die gesamte Laufzeit summiert sich dieser Unterschied auf mehrere tausend Kilowattstunden. Deshalb lohnt der Blick ins Datenblatt: Dort steht die garantierte Restleistung nach 25 oder 30 Jahren, meist zwischen 80 und 92 Prozent. Diese Zahl sagt mehr über die Modulqualität aus als jeder Markenname, mehr dazu im PV-Module-Vergleich.
Was früher altert als die Module
Der Wechselrichter: Leistungselektronik, Kondensatoren und teils Lüfter halten typischerweise 10 bis 15 Jahre. Der Tausch kostet inklusive Montage 1.500 bis 3.000 Euro und gehört als fester Posten in jede Wirtschaftlichkeitsrechnung. Positiv: Der Austausch ist Routine, das neue Gerät ist meist effizienter. Grundlagen und Auswahlkriterien im Beitrag Wechselrichter erklärt.
Der Batteriespeicher: Moderne LFP-Speicher werden mit mehreren tausend Vollzyklen und Garantien über meist 10 Jahre angeboten, häufig mit zugesicherter Restkapazität von rund 70 bis 80 Prozent. Bei üblicher Nutzung mit etwa 250 bis 300 Zyklen im Jahr ist die kalendarische Alterung oft relevanter als die Zyklenzahl. Rechnen Sie mit 12 bis 20 Jahren Nutzungsdauer. Wie sich Speicher rechnen, sehen Sie unter Photovoltaik mit Speicher.
Kleinteile: Steckverbinder, Kabelbinder und Dichtungen sind die stillen Schwachstellen. Sie kosten wenig, verursachen aber die meisten Störungsmeldungen. Eine Sichtprüfung alle paar Jahre gehört zur Wartung, für die grob 100 bis 350 Euro jährlich anzusetzen sind.
Garantien richtig lesen
Unterscheiden Sie drei Dinge, die im Vertrieb gerne vermischt werden:
- Gewährleistung: Gesetzlicher Anspruch gegen den Installateur, meist 2 bis 5 Jahre je nach Vertragsgestaltung.
- Produktgarantie: Freiwillige Herstellerzusage auf Material und Verarbeitung, bei Modulen heute 15 bis 30 Jahre.
- Leistungsgarantie: Zusicherung einer Mindestleistung nach X Jahren, etwa 87 Prozent nach 30 Jahren.
Entscheidend ist außerdem, wer die Garantie gibt. Eine Herstellergarantie überlebt die Insolvenz Ihres Installateurs, eine reine Händlergarantie nicht. Details dazu unter Photovoltaik-Garantie. Prüfen Sie auch, ob Aus- und Einbaukosten sowie Transport übernommen werden, denn daran hängt im Schadensfall der größere Teil der Rechnung.
Was die lange Lebensdauer für die Rechnung bedeutet
Bei einer Amortisationszeit von typischerweise 8 bis 13 Jahren und einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren produziert die Anlage über die Hälfte ihrer Laufzeit reinen Ertrag. Selbst mit eingeplantem Wechselrichtertausch, Wartung und Versicherung bleibt die Bilanz klar positiv. Wichtig ist nur, dass Sie diese Posten von Anfang an in die Kalkulation aufnehmen, statt sich eine schöngerechnete Amortisation verkaufen zu lassen. Eine vollständige Kostenübersicht finden Sie unter Photovoltaikanlage-Kosten, die oft vergessenen Zusatzposten stehen im Beitrag Photovoltaik-Nebenkosten.
Und noch ein praktischer Hinweis: Die Lebensdauer hängt auch an der Montage. Sauber gesetzte Dachhaken, ordentliche Kabelführung und ein kühl aufgestellter Wechselrichter verlängern das Anlagenleben spürbar. Es lohnt sich also, beim Betrieb genauer hinzusehen als beim Modulhersteller.
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