Dass die Einspeisevergütung sinkt, ist kein Gerücht, sondern gesetzlicher Fahrplan: minus 1 Prozent je Halbjahr, und ab 2027 droht Neuanlagen ein größerer Schnitt. Verkäufer machen daraus gern Panik („Jetzt kaufen, bevor es zu spät ist!"). Wir rechnen es stattdessen nüchtern durch: Was kostet ein Jahr Warten tatsächlich, wie viel davon holen sinkende Anlagenpreise wieder rein, und in welchen Fällen ist Warten trotzdem die richtige Entscheidung?
Die kurze Antwort
Die Vergütung sinkt planmäßig um 1 Prozent je Halbjahr (jeweils zum 1. Februar und 1. August), aktuell liegt sie bei 7,70 Cent pro Kilowattstunde für Teileinspeisung bis 10 kWp. Der eigentliche Kostenfaktor beim Warten ist aber nicht die Degression, sondern die entgangene Stromkosten-Ersparnis von rund 1.400 Euro pro Jahr bei einer typischen 10-kWp-Anlage. Dazu kommt die geplante EEG-Reform 2027, die Neuanlagen ab 1. Januar 2027 voraussichtlich rund 1 Cent weniger Vergütung bringt. Wer 2026 in Betrieb nimmt, sichert sich die aktuellen Sätze für 20 Jahre.
Der kleine Verlust: die halbjährliche Degression
Fangen wir mit dem an, was Verkäufer gern dramatisieren. Ein Degressionsschritt senkt die Vergütung um 1 Prozent, von 7,70 auf etwa 7,62 Cent. Bei einer 10-kWp-Anlage mit rund 6.650 eingespeisten Kilowattstunden im Jahr sind das etwa 5 Euro pro Jahr, über 20 Jahre also rund 100 Euro. Das ist real, aber allein kein Grund, überstürzt zu unterschreiben. Wer wegen eines einzelnen Stichtags zum Abschluss gedrängt wird, hat es eher mit Verkaufsdruck als mit Mathematik zu tun.
Der große Verlust: jedes Jahr ohne Anlage
Die entscheidende Rechnung ist eine andere. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt rund 9.500 Kilowattstunden im Jahr. Bei 30 Prozent Eigenverbrauch ersetzt sie etwa 2.850 Kilowattstunden Netzstrom zu rund 31 Cent, das sind etwa 880 Euro. Die restlichen 6.650 Kilowattstunden bringen bei 7,70 Cent rund 510 Euro Vergütung. Zusammen entgehen Ihnen also etwa 1.400 Euro für jedes Jahr, in dem die Anlage nicht auf dem Dach liegt. Mit Speicher und höherem Eigenverbrauch liegt der Wert noch darüber. Wer zwei Jahre „auf bessere Zeiten" wartet, hat fast 3.000 Euro liegen gelassen, mehr als jede Degression je kosten könnte.
EEG-Reform 2027: der terminierte Einschnitt
Zusätzlich zur normalen Degression plant die Bundesregierung eine EEG-Reform, nach der Neuanlagen ab dem 1. Januar 2027 rund 1 Cent pro Kilowattstunde weniger erhalten sollen. Bei 6.650 eingespeisten Kilowattstunden wären das etwa 66 Euro pro Jahr, über die 20-jährige Vergütungsdauer rund 1.300 Euro. Wichtig für die Einordnung: Das ist Stand heute ein Gesetzesvorhaben, kein beschlossenes Gesetz, Details können sich ändern. Sicher ist nur die Mechanik des Bestandsschutzes: Wer 2026 in Betrieb geht, behält die Sätze von 2026 für 20 Jahre, egal was 2027 beschlossen wird. Die aktuellen Sätze finden Sie im Artikel Einspeisevergütung 2026.
Die Gegenrechnung: Anlagen werden auch billiger
Zur Ehrlichkeit gehört die andere Seite: Die Systempreise sinken ebenfalls. Laut Fraunhofer ISE lagen schlüsselfertige Anlagen Anfang 2026 bei durchschnittlich rund 1.015 Euro pro kWp, etwa 4 Prozent unter dem Vorjahr. Eine 15.000-Euro-Anlage könnte ein Jahr später also grob 600 Euro günstiger sein. Nur: Diesen 600 Euro stehen rund 1.400 Euro entgangene Ersparnis, ein Degressionsschritt und das EEG-2027-Risiko gegenüber. Selbst in der optimistischen Warte-Rechnung bleibt ein klares Minus. Der oft gehörte Satz „Die Preise fallen doch eh, ich warte noch" war 2015 ein gutes Argument, 2026 ist er es nicht mehr, weil das Preisniveau bereits niedrig ist. Was eine Anlage aktuell kostet, zeigt der Überblick Was kostet eine Photovoltaikanlage?
Wer trotzdem warten darf
Es gibt legitime Gründe, nicht sofort zu kaufen:
- Das Dach muss ohnehin bald saniert werden. Erst sanieren, dann PV, alles andere wird doppelt teuer.
- Größere Umbaupläne stehen an, etwa Wärmepumpe, Anbau oder Dachausbau: Dann lohnt es sich, die Anlage gleich passend zu dimensionieren.
- Die Finanzierung steht nicht. Eine PV-Anlage mit teurem Dispokredit zu erzwingen, ist unsinnig. Prüfen Sie stattdessen günstige Wege wie den KfW-Kredit im Artikel Photovoltaikanlage finanzieren.
- Sie haben nur ein einziges Angebot. Warten Sie lieber zwei Wochen auf Vergleichsangebote als null Tage auf den Haustürvertrag. Die Preisspanne am Markt ist enorm, ein überteuertes Angebot kostet Sie mehr als jede Degression.
Was kein guter Grund ist: die Hoffnung auf wieder steigende Vergütungen. Dafür gibt es keinerlei politische Anzeichen, die Richtung zeigt seit Jahren nach unten.
Fazit: Dringlichkeit ja, Panik nein
Die sinkende Einspeisevergütung ist ein rationales Argument für eine Entscheidung in 2026, aber kein Grund für einen überhasteten Abschluss beim erstbesten Anbieter. Die richtige Reihenfolge: erst Angebote vergleichen, dann in Ruhe unterschreiben, dann von 20 Jahren garantierter Vergütung profitieren.
In Ruhe vergleichen statt unter Druck kaufen
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