Bevor Sie über Modulzahlen, Speicher oder Preise nachdenken, steht eine simple Frage: Reicht Ihr Dach überhaupt für die Anlage, die Sie sich vorstellen? Die Antwort lässt sich mit einer einzigen Faustzahl gut abschätzen. Genauso wichtig ist aber der zweite Blick, denn zwischen der Dachfläche auf dem Papier und der tatsächlich belegbaren Fläche liegen oft etliche Quadratmeter. In diesem Beitrag rechnen wir beides durch.
Die kurze Antwort
Rechnen Sie mit rund 5 Quadratmetern Dachfläche je kWp. Eine typische 10-kWp-Anlage braucht damit etwa 50 Quadratmeter, eine 6-kWp-Anlage rund 30 Quadratmeter. Ein einzelnes Modul mit 440 bis 480 Wp belegt circa 2 Quadratmeter, dazu kommen Randabstände und Flächen, die durch Schornstein, Dachfenster oder Gauben wegfallen. Die nutzbare Fläche ist deshalb fast immer 10 bis 30 Prozent kleiner als die reine Dachgeometrie vermuten lässt.
Die Faustformel: 5 Quadratmeter je kWp
Der Rechenweg dahinter ist schnell erklärt. Moderne Module leisten 440 bis 480 Wp, Sie brauchen also gut 2 Module je kWp. Jedes Modul misst etwa 1,7 bis 2 Quadratmeter. Rein rechnerisch kämen Sie damit auf gut 4 Quadratmeter je kWp. In der Praxis kommen aber Montageabstände, Randzonen zu Dachkante, First und Ortgang sowie kleine Verschnittflächen dazu, in denen kein ganzes Modul mehr Platz findet. Deshalb ist die Praxisfaustzahl von 5 Quadratmetern je kWp die verlässlichere Planungsgröße.
| Anlagengröße | Benötigte Dachfläche (ca.) | Modulzahl (ca.) |
|---|---|---|
| 4 kWp | 20 qm | 9 bis 10 |
| 6 kWp | 30 qm | 13 bis 14 |
| 8 kWp | 40 qm | 17 bis 19 |
| 10 kWp | 50 qm | 21 bis 23 |
| 15 kWp | 75 qm | 31 bis 34 |
Wie Sie von Ihrem Stromverbrauch auf die passende Anlagengröße kommen, zeigt der Beitrag Wie viele PV-Module brauche ich? mit dem kompletten Rechenweg. Eine Übersicht typischer Anlagengrößen mit Einordnung finden Sie auf der Seite PV-Anlagengrößen.
Was die nutzbare Fläche in der Praxis reduziert
Die gemessene Dachfläche ist die Obergrenze, nicht die Planungsgrundlage. Diese Faktoren knabbern daran:
- Gauben: Sie kosten doppelt, denn sie belegen selbst Fläche und werfen zusätzlich Schatten auf umliegende Module.
- Dachfenster: Jedes Fenster reißt ein Loch ins Modulraster, oft fällt dadurch mehr Fläche weg als die Fenstergröße selbst.
- Schornstein und Entlüftungsrohre: Neben der belegten Fläche zählt auch hier der Schattenwurf, gerade bei tiefstehender Wintersonne.
- Randabstände: Zu Dachkanten und First bleiben aus Gründen der Windlast und der Montagenorm in der Regel 20 bis 40 Zentimeter frei.
- Satellitenschüsseln, Antennen, Schneefanggitter: Kleinteile, die im Belegungsplan trotzdem Modulplätze kosten.
- Dachform: Walm- und Zeltdächer haben viele Schrägkanten, an denen rechteckige Module schlecht ausnutzbar sind. Ein einfaches Satteldach ist die dankbarste Form.
Als grobe Richtschnur: Ziehen Sie von der reinen Dachgeometrie 10 bis 30 Prozent ab, bei verwinkelten Dächern mit Gauben eher mehr.
Was tun, wenn die Fläche knapp ist?
Ein knappes Dach ist selten ein K.-o.-Kriterium, sondern eine Planungsaufgabe:
- Leistungsstärkere Module wählen: Zwischen 440 und 480 Wp liegen fast 10 Prozent Mehrleistung auf identischer Fläche.
- Mehrere Dachseiten belegen: Ein Ost-West-Dach liefert je Modul etwa 80 bis 85 Prozent eines Süddachs und verdoppelt die verfügbare Fläche. Details im Beitrag Photovoltaik auf dem Ost-West-Dach.
- Nebenflächen prüfen: Garage, Carport oder ein Anbau mit Flachdach lassen sich oft mitbelegen. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie auf der Seite Photovoltaik auf dem Flachdach. Beachten Sie dort: Aufgeständerte Module brauchen wegen der Reihenabstände mehr Fläche je kWp als ein Schrägdach.
- Klein starten, klug planen: Auch 4 bis 6 kWp decken einen relevanten Teil des Haushaltsstroms. Wichtig ist, den Wechselrichter und die Kabelwege so zu planen, dass eine spätere Erweiterung möglich bleibt.
So prüft der Fachbetrieb Ihre Fläche
Für die erste Einschätzung reichen Satellitenbild und Ihre eigenen Maße. Ein seriöser Fachbetrieb verlässt sich darauf aber nicht: Beim Vor-Ort-Termin nimmt er das Dach genau auf, prüft Sparrenlage und Dachhaut und erstellt einen Belegungsplan, der jedes Modul einzeichnet. Genau dieser Plan gehört später auch ins Angebot, mit Modulzahl, Modulleistung in Wp und daraus folgender Anlagengröße. Fehlt er, planen Sie auf Zuruf, und das rächt sich spätestens bei der Montage. Angebote, die allein auf einem Satellitenbild basieren, gelten unter Verbraucherschützern als Warnsignal.
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