Ein Balkonkraftwerk kostet ein paar hundert Euro, ist in einer Stunde aufgehängt und produziert am selben Nachmittag Strom. Eine Dachanlage kostet das Zwanzigfache und braucht Monate. Trotzdem ist die Frage Balkonkraftwerk oder Photovoltaikanlage keine reine Geldfrage, denn die beiden Systeme lösen unterschiedliche Probleme. Hier der ehrliche Vergleich mit Zahlen, inklusive der Frage, ob ein Balkonkraftwerk als Einstieg sinnvoll ist, wenn später ohnehin eine Dachanlage kommen soll.
Die kurze Antwort
Ein Balkonkraftwerk bis 800 Watt Einspeiseleistung gilt als Steckerpv-gerät und unterliegt stark vereinfachten Regeln: Anmeldung nur im Marktstammdatenregister, keine Netzbetreiber-Genehmigung, kein Elektriker zwingend, Betrieb auch zur Miete möglich. Es kostet 300 bis 900 Euro und liefert etwa 500 bis 800 Kilowattstunden im Jahr, die Sie direkt selbst verbrauchen. Eine Vergütung für eingespeisten Strom gibt es praktisch nicht. Eine Dachanlage mit 10 kWp kostet rund 9.000 bis 12.000 Euro ohne Speicher, mit 10-kWh-Speicher etwa 15.000 bis 17.000 Euro, liefert 8.000 bis 10.000 Kilowattstunden im Jahr, erhält Einspeisevergütung und ist förder- und speicherfähig. Wer ein eigenes Dach hat, holt mit der Dachanlage ein Vielfaches heraus; das Balkonkraftwerk ist die Lösung für Mieter, kleine Balkone und Testinteressierte.
Balkonkraftwerk: Regeln, Kosten, Ertrag
Seit den Vereinfachungen gilt für Steckerpv-geräte: bis 2.000 Watt Modulleistung und maximal 800 Watt Wechselrichter-Einspeiseleistung. Die Anmeldung beim Netzbetreiber entfällt, der Eintrag im Marktstammdatenregister genügt und ist in wenigen Minuten erledigt. Auch alte Ferraris-Zähler dürfen übergangsweise weiterlaufen, bis der Netzbetreiber tauscht.
Kosten: Komplettsets mit zwei Modulen und Wechselrichter liegen bei 300 bis 900 Euro, mit kleinem Speicher entsprechend höher. Manche Kommunen fördern Steckerpv-geräte mit Zuschüssen.
Ertrag: Zwei Module mit zusammen rund 800 bis 900 Wattpeak liefern bei guter Südausrichtung etwa 500 bis 800 Kilowattstunden im Jahr. Bei 30 Cent Strompreis und realistischem Eigenverbrauch von 60 bis 80 Prozent sparen Sie damit rund 120 bis 190 Euro jährlich. Die Amortisation liegt meist bei 3 bis 6 Jahren, das ist wirtschaftlich attraktiv.
Die Grenze: Ein Balkonkraftwerk deckt die Grundlast (Kühlschrank, Router, Standby). Es lädt kein E-Auto, betreibt keine Wärmepumpe und senkt Ihre Stromrechnung um vielleicht 10 bis 15 Prozent. Was darüber hinausgeht, kann es systembedingt nicht leisten.
Dachanlage: Regeln, Kosten, Ertrag
Eine Dachanlage ist ein anderes Kaliber. Sie wird vom Fachbetrieb geplant, montiert und beim Netzbetreiber angemeldet, der Ablauf dauert insgesamt meist 3 bis 6 Monate, wie unser Beitrag Ablauf und Dauer zeigt.
Kosten: Der Systempreis liegt laut Fraunhofer ISE im Schnitt bei rund 1.015 Euro pro kWp, die Marktspanne bei 900 bis 1.500 Euro pro kWp. Eine 10-kWp-Anlage kostet damit typischerweise 9.000 bis 12.000 Euro, mit 10-kWh-Speicher rund 15.000 bis 17.000 Euro. Bis 30 kWp fällt keine Mehrwertsteuer an. Eine detaillierte Aufschlüsselung finden Sie auf unserer Seite Photovoltaikanlage Kosten.
Ertrag: 8.000 bis 10.000 Kilowattstunden im Jahr. Ohne Speicher verbrauchen Sie davon rund 30 Prozent selbst, mit passendem Speicher 60 bis 70 Prozent. Der Rest wird mit 7,70 Cent je Kilowattstunde vergütet (Teileinspeisung bis 10 kWp, Stand ab 1. August 2026), garantiert für 20 Jahre.
Wirtschaftlichkeit: Die Amortisation liegt bei 8 bis 13 Jahren, bei einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren und mehr. Das klingt gegenüber dem Balkonkraftwerk lang, betrifft aber eine viel größere Summe: In absoluten Zahlen bringt eine Dachanlage über 20 Jahre ein Vielfaches an Ersparnis. Laufende Kosten von 100 bis 350 Euro Wartung, 100 bis 200 Euro Versicherung pro Jahr und der Wechselrichtertausch nach 10 bis 15 Jahren (1.500 bis 3.000 Euro) gehören ehrlicherweise in die Rechnung.
Zusätzlich möglich: Speicher, Notstromfunktion, Wallbox, Wärmepumpen-Kopplung, Förderkredite wie KfW 270. Einen Überblick gibt unsere Seite Photovoltaik Förderung.
Für wen was passt
Balkonkraftwerk, wenn:
- Sie zur Miete wohnen oder in einer Eigentumswohnung ohne eigenes Dachrecht.
- Ihr Dach ungeeignet ist: stark verschattet, sanierungsbedürftig, Nordausrichtung, sehr klein.
- Sie das Thema erst einmal ausprobieren wollen, mit überschaubarem Risiko.
- Ihr Stromverbrauch sehr gering ist, etwa unter 2.000 Kilowattstunden.
- Sie ohnehin in absehbarer Zeit umziehen, das Gerät nehmen Sie mit.
Dachanlage, wenn:
- Sie Eigentümer eines Hauses mit tragfähigem, nicht akut sanierungsbedürftigem Dach sind.
- Ihr Verbrauch bei 3.500 Kilowattstunden oder mehr liegt.
- Wärmepumpe, E-Auto oder Wallbox geplant sind oder schon da sind.
- Sie Wert auf Einspeisevergütung, Speicher und langfristige Rendite legen.
- Sie die Immobilie langfristig halten.
Ein Sonderfall: Wenn das Dach in den nächsten Jahren neu gedeckt werden muss, planen Sie Dachsanierung und PV besser gemeinsam. Eine nachträgliche Demontage und Neumontage kostet unnötig Geld.
Balkonkraftwerk als Einstieg mit Upgrade-Pfad
Beides schließt sich nicht aus. Viele beginnen mit einem Steckerpv-gerät und rüsten später eine Dachanlage nach. Das funktioniert, wenn Sie zwei Punkte beachten:
- Beide Anlagen dürfen parallel betrieben werden, müssen aber getrennt im Marktstammdatenregister geführt werden. Sprechen Sie das mit Ihrem Fachbetrieb ab, damit die Anmeldung sauber läuft.
- Das Balkonkraftwerk erhält keine nennenswerte Vergütung. Nach dem Bau der Dachanlage sinkt sein Nutzen, weil Ihre Grundlast dann ohnehin gedeckt ist. Wer sicher weiß, dass die Dachanlage in ein bis zwei Jahren kommt, spart das Geld besser gleich.
Ehrlich gesagt: Als Testlauf für „Wie fühlt sich eigener Strom an?" ist das Balkonkraftwerk hervorragend. Als Sparmaßnahme vor einer ohnehin geplanten Dachanlage ist es meist ein Umweg. Ob sich die große Lösung bei Ihnen rechnet, klärt der Beitrag Lohnt sich Photovoltaik? mit Rechenbeispielen.
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