Photovoltaikanlage mieten oder kaufen: Was rechnet sich wirklich?

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

"Keine Anschaffungskosten, Rundum-sorglos, ab 150 Euro im Monat": So werben große Anbieter für die Miet-Photovoltaikanlage. Das klingt bequem, hat aber einen Preis, den die Werbung nicht nennt. Die Verbraucherzentrale hat nachgerechnet, und das Ergebnis fällt deutlich aus. Hier ist der neutrale Vergleich zwischen Miete und Kauf, ohne Interesse an einem der beiden Modelle.

Die kurze Antwort

Über die Vertragslaufzeit ist die Miete nicht selten doppelt so teuer wie der Kauf. Die Beispielrechnung der Verbraucherzentrale: 150 Euro Monatsmiete über 20 Jahre ergeben 36.000 Euro für eine Anlage, die im Kauf etwa 16.000 Euro kostet. Dazu kommt eine Vertragsbindung von 20 bis 25 Jahren, aus der Sie meist nur gegen Ablösezahlung herauskommen. Wirtschaftlich ist der Kauf fast immer die bessere Wahl, notfalls über einen günstigen Kredit wie den KfW 270. Die Miete passt nur in wenigen Sonderfällen.

Die Rechnung im Detail

Nehmen wir eine typische 10-kWp-Anlage mit Speicher, Kaufpreis rund 16.000 Euro (schlüsselfertig, 0 Prozent Mehrwertsteuer):

  • Kauf: 16.000 Euro einmalig, dazu über 20 Jahre laufende Kosten für Versicherung, Wartung und einen Wechselrichtertausch, zusammen grob 6.000 bis 8.000 Euro. Gesamtkosten: etwa 22.000 bis 24.000 Euro. Dafür gehören Ihnen Anlage, Stromersparnis und Einspeisevergütung ab Tag eins komplett.
  • Miete: 150 Euro pro Monat ergeben 36.000 Euro in 20 Jahren, bei teureren Paketen mit 200 Euro Monatsrate sogar 48.000 Euro. Wartung und Versicherung sind zwar enthalten, aber diese Leistungen sind, wie die Rechnung zeigt, sehr teuer eingekauft. Am Ende der Laufzeit gehört Ihnen die Anlage oft immer noch nicht automatisch.

Die Differenz von gut 12.000 bis 14.000 Euro ist der Preis für die Bequemlichkeit. Zum Vergleich: Dafür bekommen Sie fast eine zweite Anlage. Was Kaufanlagen aktuell in welcher Größe kosten, zeigt die Übersicht unter Photovoltaikanlage-Kosten.

Die Vertragsbindung: der unterschätzte Nachteil

Mietverträge laufen üblicherweise 20 bis 25 Jahre. Das ist länger als die meisten Autofinanzierungen, Handyverträge und viele Ehen. In dieser Zeit kann viel passieren:

  • Hausverkauf: Der Käufer muss den Mietvertrag übernehmen (was Verhandlungen erschwert), oder Sie müssen die Restlaufzeit ablösen.
  • Anbieter-Insolvenz: Auch große Mietanbieter sind nicht unverwundbar, wie die Marktbereinigung seit 2023 gezeigt hat. Die Anlage auf Ihrem Dach gehört dann in die Insolvenzmasse eines Dritten.
  • Technischer Fortschritt: Sie sitzen 20 Jahre auf der Technik von heute, während Kauf-Kunden nachrüsten oder erweitern können, wie es ihnen passt.

Lesen Sie Mietverträge deshalb besonders gründlich: Wer zahlt den Rückbau? Was passiert nach Vertragsende? Gibt es eine Kaufoption, und zu welchem Preis?

Das bessere Mittel gegen hohe Anschaffungskosten: finanzieren

Das Hauptargument für die Miete ("kein Kapital nötig") zieht nur auf den ersten Blick, denn auch der Kauf geht ohne Erspartes: Der KfW-Kredit 270 finanziert Photovoltaikanlagen ab etwa 3,3 Prozent Zins und bis zu 100 Prozent der Kosten. Die Monatsrate liegt dann in einer ähnlichen Größenordnung wie eine Miete, aber nach 10 bis 15 Jahren ist der Kredit abbezahlt und die Anlage gehört Ihnen, statt weitere 10 Jahre Miete zu zahlen. Wie das konkret aussieht, rechnen wir im Ratgeber Photovoltaikanlage finanzieren vor.

Wann die Miete trotzdem passen kann

Der Fairness halber: Es gibt Konstellationen, in denen das Mietmodell vertretbar ist.

  • Sie bekommen keinen Kredit (Alter, Einkommen, laufende Baufinanzierung schöpft den Rahmen aus) und haben kein Kapital, wollen aber trotzdem sofort von günstigem PV-Strom profitieren.
  • Sie wollen sich um absolut nichts kümmern, auch nicht um einen Versicherungsanruf, und sind bereit, dafür fünfstellig zu bezahlen.
  • Sie planen fest, das Haus nur noch begrenzte Zeit zu bewohnen, und der Vertrag ist nachweislich problemlos übertragbar.

In allen anderen Fällen gilt: Rechnen Sie beide Varianten über 20 Jahre durch, bevor Sie unterschreiben. Seriöse Anbieter legen Ihnen diese Gesamtkostenrechnung offen; wer nur über die Monatsrate spricht, hat einen Grund dafür. Einen Überblick über den gesamten Kaufprozess gibt unser Guide Photovoltaikanlage kaufen.

So treffen Sie die Entscheidung

  1. Holen Sie Kaufangebote ein und berechnen Sie den Preis pro kWp.
  2. Lassen Sie sich beim Mietangebot die Gesamtkosten über die volle Laufzeit schriftlich geben, inklusive aller Nebenkosten und der Konditionen nach Vertragsende.
  3. Vergleichen Sie beides mit einer Finanzierungsvariante über KfW 270 oder die Hausbank.
  4. Entscheiden Sie erst dann, und niemals unter Zeitdruck an der Haustür.

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Bevor Sie einen Mietvertrag über 20 Jahre unterschreiben, sollten Sie wissen, was dieselbe Anlage im Kauf kostet. Über unseren Angebotsvergleich für Photovoltaikanlagen melden sich maximal 3 geprüfte Fachbetriebe aus Ihrer Region direkt bei Ihnen und erstellen Ihnen konkrete Kaufangebote. Kostenlos, unverbindlich und mit klaren Zahlen für Ihre Entscheidung.

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