Aufbau einer Photovoltaikanlage: Alle Komponenten im Überblick

☀️ DE | PV - Check·4 Min. Lesezeit

Ein PV-Angebot listet schnell 15 Positionen auf, von der Dachhakenschraube bis zum Energiemanager. Wer nicht weiß, was welche Komponente tut und was sie ungefähr kostet, kann zwei Angebote nicht sinnvoll vergleichen. Dieser Beitrag geht die Anlage von oben nach unten durch, mit groben Kostenanteilen und dem Hinweis, welches Gewerk was montiert.

Die kurze Antwort

Eine PV-Anlage besteht aus Modulen, Unterkonstruktion, Verkabelung, Wechselrichter, Zählertechnik und optional Speicher, Wallbox und Energiemanagement. Bei einer 10-kWp-Anlage für rund 10.000 bis 12.000 Euro entfallen grob 35 bis 45 Prozent auf die Module, 10 bis 15 Prozent auf den Wechselrichter, 10 bis 15 Prozent auf die Unterkonstruktion und der Rest auf Elektroinstallation, Montage, Gerüst und Anmeldung. Ein vollständiges Angebot nennt zu jeder Position Hersteller und Modell. Fehlende Posten tauchen später als Zusatzleistung auf der Rechnung auf.

Die Komponenten von oben nach unten

1. PV-Module. Das sichtbare Herzstück. Aktuelle Module leisten 440 bis 480 Wp bei rund 2 Quadratmetern Fläche, Sie brauchen gut 2 Module je kWp. Unterschieden wird vor allem zwischen Glas-Folie-Modulen (Standard, leichter) und Glas-Glas-Modulen (robuster, oft längere Garantie). Im Angebot müssen Hersteller, Modellbezeichnung, Wp-Leistung und Stückzahl stehen.

2. Unterkonstruktion. Dachhaken werden am Sparren verschraubt, darauf liegen Aluminiumschienen, auf denen die Module mit Klemmen befestigt werden. Auf dem Flachdach entfallen die Haken zugunsten einer ballastierten Aufständerung. Die Qualität dieser unscheinbaren Position entscheidet darüber, ob Ihr Dach in zehn Jahren noch dicht ist, siehe auch Welches Dach ist für Photovoltaik geeignet?.

3. DC-Verkabelung und Sicherheitstechnik. PV-Kabel verbinden die Module zu Strings und führen über eine abgedichtete Dachdurchführung nach unten. Dazu gehören ein DC-Freischalter, Überspannungsschutz und der Potenzialausgleich.

4. Wechselrichter. Wandelt Gleichstrom in Wechselstrom um, sucht den optimalen Arbeitspunkt der Module und überwacht die Anlage. Varianten: String-Wechselrichter (Standard), Hybrid-Wechselrichter (speicherfähig, sinnvoll wenn ein Speicher geplant ist) und Mikrowechselrichter (je Modul, bei Verschattung oder verwinkelten Dächern). Lebensdauer 10 bis 15 Jahre, danach steht ein Austausch für 1.500 bis 3.000 Euro an.

5. Leistungsoptimierer (optional). Regeln jedes Modul einzeln, sinnvoll bei Teilverschattung, sonst meist verzichtbar. Mehr dazu im Beitrag Photovoltaik und Verschattung.

6. AC-Installation und Zählerschrank. Vom Wechselrichter geht es über eine eigene abgesicherte Leitung in den Zählerschrank. Ältere Zählerschränke müssen häufig modernisiert werden, was 800 bis 2.500 Euro kostet und in vielen Angeboten fehlt. Fragen Sie explizit danach.

7. Zweirichtungszähler. Misst Bezug und Einspeisung getrennt. Er wird vom Messstellenbetreiber gestellt und getauscht, nicht vom PV-Fachbetrieb. Der Tausch dauert oft zusätzliche zwei bis vier Wochen.

8. Batteriespeicher (optional). Speichert Überschuss für Abend und Nacht, hebt den Eigenverbrauch von 25 bis 35 auf 60 bis 70 Prozent. Übliche Größen 5 bis 15 kWh nutzbar. Achten Sie darauf, dass die nutzbare und nicht die nominale Kapazität ausgewiesen ist. Details auf der Seite Photovoltaik mit Speicher.

9. Wallbox und Energiemanagement (optional). Eine Wallbox mit Überschussladen nutzt PV-Strom fürs E-Auto. Ein Energiemanager steuert Speicher, Wärmepumpe und Wallbox und ist seit dem Solarspitzengesetz auch für die Einspeisesteuerung relevant.

10. Monitoring. Portal oder App, meist über den Wechselrichter. Lassen Sie sich die Zugangsdaten und Administratorrechte aushändigen, das erspart Ärger, falls der Betrieb später nicht mehr existiert.

Grobe Kostenverteilung bei einer 10-kWp-Anlage

Die folgenden Werte sind Größenordnungen für eine Anlage ohne Speicher zu rund 11.000 Euro:

Position Anteil (ca.) Betrag (ca.)
PV-Module 35 bis 45 % 4.000 bis 5.000 €
Wechselrichter 10 bis 15 % 1.200 bis 1.700 €
Unterkonstruktion 10 bis 15 % 1.100 bis 1.600 €
DC- und AC-Installation, Kleinmaterial 10 bis 15 % 1.100 bis 1.600 €
Montage und Arbeitszeit 15 bis 20 % 1.700 bis 2.200 €
Gerüst, Planung, Anmeldung, Inbetriebnahme 5 bis 10 % 600 bis 1.100 €

Ein Speicher kommt separat obendrauf, mit 400 bis 700 Euro je kWh, also etwa 4.000 bis 7.000 Euro für 10 kWh. Zusatzposten wie Zählerschrankerneuerung oder aufwendige Kabelwege sind hier nicht enthalten. Den Marktpreis je kWp und die Einordnung der Gesamtkosten finden Sie unter Photovoltaikanlage Kosten und im Beitrag Photovoltaik: Preis pro kWp. Bis 30 kWp fällt übrigens keine Mehrwertsteuer an, die Beträge sind also gleichzeitig Netto- und Bruttopreise.

Wer montiert was?

An einer PV-Installation sind mehrere Gewerke beteiligt, auch wenn Sie meist nur einen Vertragspartner haben:

  • Dachdecker oder Montageteam: Gerüst, Dachhaken, Schienen, Module, Dachdurchführung.
  • Elektrofachkraft: DC- und AC-Verkabelung, Wechselrichter, Speicher, Zählerschrank, Inbetriebnahme, Abnahmeprotokoll.
  • Messstellenbetreiber oder Netzbetreiber: Zählertausch, Freigabe zur Inbetriebnahme.
  • Sie selbst oder der Fachbetrieb: Anmeldung beim Netzbetreiber und Eintrag im Marktstammdatenregister. Klären Sie im Angebot, wer das übernimmt.

Fragen Sie nach, ob der Betrieb mit eigenen Monteuren arbeitet oder Subunternehmer beauftragt. Eigene Teams sind bei Nachbesserungen greifbarer, und Sub-Sub-Ketten gelten als Risikofaktor für Montagemängel.

Was ins Angebot gehört

Verbraucherschützer empfehlen, jedes Angebot auf Vollständigkeit zu prüfen. Enthalten sein müssen: alle Komponenten mit Hersteller und Modell, Modulleistung in Wp, Speicherkapazität in nutzbaren kWh, Unterkonstruktion, Kleinmaterial, Gerüst, gegebenenfalls Zählerschrank, Netzanmeldung, Inbetriebnahme, Dokumentation, Ertragsüberwachung und Garantien. Pauschale Komplettpreise ohne Aufschlüsselung sind das häufigste Einfallstor für spätere Nachträge.


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